Das geschah in den 1930er Jahren

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zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 29.07.2020 23:09

1930

Husum 18 / Wie es früher war

aus den VereinsNachrichten vom
1. September 1952

"Ich schwöre auf Achtzehn und bin so stolz darauf?"

Die Jugend ist unsere Zukunft - Wie es früher war

Meine Freude über den Sieg unserer Jungmannen im Landesendspiel am 29. Juni war unbeschreiblich. An diesem entscheidenden Sonntag hatte ich mich nicht aus dem Hause gerührt. Bei jeder Sportmeldung habe ich mein Rundfunkgerät angestellt, aber nichts war von Husum 18 zu vernehmen. Es war bedauerlich, daß der Ansager nicht vor der Reportage des Länderspiels kurz sagte: "Als Auftakt sahen wir das Endspiel der Jungmannen von Husum 18 und Heiligenhafen, das nach Verlängerung von Husum gewonnen wurde." Das hätte genügt.

Nun bekomme ich meine Heimatzeitung jeweils einen Tag später und mußte mich notgedrungen bis dahin gedulden. Ich traute meinen Augen nicht, als ich las, daß unsere Jungmannen vom Magistrat empfangen wurden. Dieser stolze Sieg darf unter keinen Umständen dazu führen, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Der Kampf geht weiter, die Leistungen müssen noch besser werden, damit unsere Jungmannen zu gegebener Zeit bis zur Liga vorstoßen können.

Dann ist es so wie einst, als die jugendlichen Kameraden Karl "Kalli" Krieger - Hans "Hansi" Schöning - Karl "Kalli" Schladetzky - Otto "Otti" Degenkolbe - Johannes "Hanni" Lühmann ("Siebzig") - Ernst "Mauschi" Mißfeldt - Johann Kratochvil - Werner "Fritz" Lorenzen - Volquardsen und andere mehr in die Liga aufrückten und sich wunderbar geschlagen haben. Von Spiel zu Spiel wurde der Nachwuchs besser. Das war eine Läuferreihe mit Karl "Kalli" Krieger, Ernst "Mauschi" Mißfeldt und Hans "Hansi" Schöning. Und dann Karl "Kalli" Schladetzky im Zusammenwirken mit Otto Rahn auf dem linken Flügel, das machte Laune. Husum 18 stand damals an der Spitze des Nordkreises.

Die Bezirksliga-Nordkreis-Meistermannschaft 1930
Bernhard Petersen (1. Vorsitzender) - Johannes "Hans" Rademacher - Christian Eckmann - Heinrich "Henny" Hansen - Karl "Kalli" Schladetzky - Peter "Schmied" Clausen /
Ferdinand Petersen - Karl "Kalli" Krieger - Hans "Hansi" Schöning /
Werner "Fritz" Lorenzen - Torwart Emil "Esche" Sönnichsen - Ernst "Mauschi" Mißfeldt
(es fehlen: Heinrich "Heini" Staack · Heinz Ockens).

Früher wurde leider die Jugendarbeit wenig gefördert. Wer einigermaßen spielte, kam in die dritte Mannschaft. Er stieg je nach Können in die zweite auf. Entwickelte er sich noch besser, so erreichte er die erste Mannschaft. Es ist also äußerst wichtig, der Jugendarbeit besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn sich geeignete Männer für die Jugendarbeit finden, kann es um den Nachwuchs nicht schlecht bestellt sein. Ich möchte nicht versäumen, an dieser Stelle den Kameraden Walter Nelkert - Felix Nowack - Johannes Albertsen - Wilhelm "Jügge" Jürgens - Heinrich "Hein" Matthiesen und Thams zu danken, die sich stets mit Leib und Seele der Jugend hingegeben haben.

Wie oft habe ich nach verlorenen Spielen der Liga gehört, daß jemand sagte: "Das war das letzte Mal, ich melde mich ab." Wo bliebt da die Liebe zum Sport? An guten Tagen sind sie alle dabei, aber wenn es im Vereinsgeschehen einmal wackelt, dann gehen viele davon. Ein solches Verhalten kann sich nur nachteilig auf den Sport auswirken. Auf Regen folgt stets Sonnenschein. Wir haben manche Siege errungen, aber auch manche oft unverdiente Niederlage hinnehmen müssen.

Wir heute Alten blieben stets dabei, wir haben immer durchgehalten und werden dem Verein stets treu bleiben gemäß den Worten aus unserem Vereinslied: "Ich schwör auf Achtzehn und bin stolz darauf."

Hermann Lex
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1930

Husum 18 / 50 Jahre

aus der Festschrift vom 1. Juni 1968

Gruß der Buten-Husumer an Husum 18

Ich habe weiter in alten Journalen geblättert, um wenigstens etwas aus unserer Vereinsgeschichte nachlesen zu können, ich griff das Jahr 1930! Da findet man Berichte über die Protest-Aufstiegsrunde im Nordkreis, die Husum 18 ebenfalls wieder bestanden hatte. Man bereitete sich auf die Punktspiele vor und erzielte gegen die damalige Oberliga des RBV Rendsburg ein ehrenvolles 3:3 (3:1) - Ernst "Mauschi" Mißfeldt und Werner "Fritz" Lorenzen waren die Leistungsträger.

Am 24. August war "Sonderburg Boldklubben" bei 18 zu Gast, 18 erstmals mit dem neuen Sturmführer Heinz Ockens und wieder mit seinem bewährten Rechtsaußen Hans "Hanne" Martens. 600 Zuschauer erlebten unter der ausgezeichneten Leitung des Rendsburger Unparteiischen Möller ein knappes 2:1. Beide 18er Tore durch Heinz Ockens.
Die Sonderburger priesen beim Kommers die schon sprichwörtlich gewordene Gastfreundschaft und luden sofort zum Rückspiel ein.
"Nur solche Sport-Gegner, und 18 hat nur noch Anhänger und Freunde", so schreibt der Sport-Kritiker!

Am 14. September gab es in Schleswig eine Begegnung gegen 06, die 1:2 (1:0) unterlagen, Tore durch Heinz Ockens und Karl "Kalli" Schladetzky, gutes solides Können und prächtiger Kampfgeist wird allen elf Spielern in gleichem Maße bescheinigt.

Am 28. September steigt am Marienhof ein Großkampf gegen den alten Westküstenrivalen VfL Heide - nach der Liga spielen 18's Damen Handball, da bleibt das Publikum von selbst, so die Vorschau!
Die Liga erzielt ein stolzes 9:3 (4:3), 18's große Form der letzten Spiele wiederholt sich, Johannes "Hans" Rademacher mit einem hat-trick, Heinrich "Heini" Staack, Heinz Ockens und wieder Johannes "Hans" Rademacher erhöhen auf 9:3, der Sturm mit Glanzleistungen, in der Läuferreihe gefallen Hans "Hansi" Schöning und Christian Eckmann, in der Verteidigung liefert Ernst "Mauschi" Mißfeldt eine fehlerfreie Partie!

Die ganze Spielorganisation war damals ja noch eine wesentlich andere, man hatte viel mehr Zeit, Privatspiele durchzuführen. So steigt auch das erste Punktspiel erst am 5. Oktober in Schleswig gegen Rasensport, unter Leitung des Flensburger Unparteiischen Kruschka gelingt nur ein 2:2, Hans "Hansi" Schöning als Mittelläufer wird offensichtlich in dem Spiel schwer verletzt, Heinz Ockens und Hugo Sothmann fanden nicht ihre gewohnte Form.

Am 12. Oktober verliert man auf eigenem Platz gegen den VfL Nordmark/Flensburg 1:3 (0: 3). Hans "Hansi" Schöning ist zu ersetzen, gegen den starken Wind steckt man drei Dinge ein. Bei haushoher �£berlegenheit in der zweiten Spielhälfte gelingt nur Karl "Kalli" Krieger durch Strafstoß das Ehrentor, Ernst "Mauschi" Mißfeldt wird wieder bester Mann auf dem Feld.
Für manchen Sportfreund noch die Namen der Nordmarkspieler, alle Asse hatte man "an Deck", so Janssen, nach meiner Erinnerung übrigens aus einer Husumer Familie, Nordmark war ja schließlich eine Soldatenelf der damaligen Reichswehr, weiter Jensen, der schwergewichtige Konrad, Jürgens und der damals ausgezeichnete Torsteher Grewe!
700 Zuschauer waren von ihrer Elf enttäuscht!

Am 19. Oktober empfing man abermals eine dänische Elf, den HFK Hadersleben, diesmal erlebten 800 Zuschauer zusätzlich sogar ein Platzkonzert. Ohne Ernst "Mauschi" Mißfeldt und Hans "Hansi" Schöning führten die dänischen Gäste bei Halbzeit gekonnt mit 2:0, Heinrich "Heini" Staack konnte dann eine Flanke von Karl "Kalli" Krieger direkt zum Anschlußtor verwandeln und Karl "Kalli" Schladetzky gelang fünf Minuten vor dem Abpfiff der umjubelte Ausgleich.

In einem weiteren Punktspiel gelang am 28. Oktober in Kiel ein mühevolles 2:2 gegen Gelb-Blau.

Am 2. November folgt in Husum ein schwer erkämpftes 3:1 gegen Schleswig 06, 18 eine Stunde lang ohne seinen bewährten Torsteher Emil "Esche" Sönnichsen, Ferdinand Petersen ging für ihn ins Tor und machte seine Sache vortrefflich. In der Halbzeit war noch nichts entschieden, es gibt anfeuernde Sätze "18er, für Euch gelten jetzt die klassischen Worte: in Eurer Brust ruhen Eures Schicksals Sterne" und, sie zwingen es, Kampfgeist schafft schönsten und wertvollsten Sieg seit langem, zwei Schleswiger Spieler müssen auf Geheiß des Schiri Massau das Feld verlassen!

Dr. Erwin "Pütten" Kraatz
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1930

Husum 18 / 50 Jahre

aus der Festschrift vom 1. Juni 1968

Husum 18 Nordkreismeister

Im Jahre 1930 wurde die erste Mannschaft Nordkreismeister. In einem Bericht des norddeutschen Kuriers vom 13. Januar 1930 heißt es:

"Die zu hohen Leistungen befähigte Mannschaft des Husumer Fußballvereins von 1918 machte wiederholt durch ihre Siege von sich reden. Selbst Oberliga-Mannschaften mußten sich von dieser hervorragenden Elf geschlagen bekennen. Am gestrigen Sonntag schlug sie im Punktspiel den Anwärter auf die Tabellenspitze, Preußen-Germania Kiel mit 2:1 Toren."

Zu der damaligen Bezirksklasse der Nordstaffel gehörten weiterhin Nordmark Flensburg, TSV Kiel- Gaarden, Brunswik, Schleswig 06, Rasensport Schleswig, Frisia Husum, Gelb-Blau Kiel, Polizei Kiel und Eckernförde.

Vorher hatten die zweite Mannschaft, die dritte Mannschaft, die Jugend- und Schülermannschaften schon mehrere Meistertitel für Husum 18 errungen. Die zweite Mannschaft, damals IIa genannt, gewann unter ihrem Spielführer Otto Redner allein drei Meisterschaften.

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1931

Husum 18 / Historisches

aus den VereinsNachrichten vom
1. Mai 1953

 

Aus vergangenen Tagen

Eine Mannschaft von Format

Wir haben im Laufe der letzten 12 Monate vielfach über Geschehnisse vergangener Zeiten berichtet und mancherlei Material für eine spätere Vereinschronik zusammentragen können. Heute liegt uns nun ein Bericht aus der Spielzeit 1931/32 vor, in dem es unter anderem heißt:

"Die zu hohen Leistungen befähigte erste Fußballelf machte wiederholt durch Siege von sich reden. Selbst Oberligamannschaften mussten sich von dieser hervorragenden Einheit geschlagen bekennen. So schlug sie im Punktspiel der Anwärter auf die Tabellenspitze Preußen Germania Kiel mit 2:1 Toren."

Zu der damaligen Mannschaft gehörten Bruno ChristiansenWerner "Fritz" Lorenzen - Ernst "Mauschi" MißfeldtJohannes Kratochvil - Alfred Raab - Hans "Hansi" SchöningFerdinand Petersen - Karl "Kalli" Krieger - Heinz Ockens - Heinrich "Heni" Staack - Karl "Kalli" Schladetzky

Kurt Klawitter
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1931

Husum 18 / 50 Jahre

aus der Festschrift vom 1. Juni 1968

Markus leitete Trainingsabende

Es war im Jahre 1931, als unser Spielausschuß seine ersten Zusammenkünfte im Handwerker-Vereinshaus abhielt. 1934 übersiedelte der Verein dann ganz in die Süderstraße, und unser verehrter Vereinswirt Markus Nehlsen ließ es sich nicht nehmen, die Trainingsabende selbst zu leiten. Bei Kaffee und Kuchen bot sich anschließend immer reichlich Gelegenheit, über die Trainingsmethoden zu diskutieren.

Markus Nehlsen, der 1953 dem Verein 30 Jahre angehörte, hat in dieser langen Zeit zusammen mit seiner Gattin Marie (genannt Tante Mimi), den 18ern manchen unschätzbaren Dienst erwiesen. Immer wenn es galt, zu helfen und fördern, stand das Ehepaar Nehlsen in vorderster Front.

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1934

Husum 18 / Historisches

Aus den Vereinsnachrichten vom 1. April 1979

Domuls bis Achtein

von Jupp Schönfeld

Und jenem netten jungen Ehepaar Ewert, welches am 28. Oktober beim Jubiläumsfest meiner Frau und mir charmante Tischnachbarn waren, wird es eine Antwort sein auf ihre Frage "Was, nur wegen diesem Abend sind sie ganz von Stuttgart nach Husum gefahren, so eine weite Fahrt, nur wegen diesem Abend?" Meine Frau hat zwar schwäbisch "Ha jo, isch doch klar, dös macha wia" geantwortet, ich jedoch, auf eine derartige Frage gar nicht vorbereitet, konnte gar nicht antworten. Im Gegenteil, mir würgte es in der Kehle, wie will man auch mit ein paar Worten erklären, was einen seit der Jugendzeit innerlich bewegt?

Ich will es an dieser Stelle mit einigen Fortsetzungen in den Vereinsnachrichten tun. Ich habe meine kleinen Erinnerungen "Domuls bi Achtein" überschrieben, und ich grüße damit alle alten Achtzehner herzlich und möchte den Jüngeren etwas von unseren Idelaen damals in den dreißiger Jahren vermitteln, die doch so ganz anders waren, als man sie gerade in der jüngsten Zeit immer wieder verfälscht darstellt.

Ja, wir hatten Ideale, Vorbilder, und die waren sicher nicht schlecht. Unser Ideal war der Husumer Fußballverein unter Bernhard Petersen - Hermann Lex - Werner Rusbült und vielen anderen, die man gar nicht alle aufzählen kann. Ich will über sie berichten.Sollte einmal der Eindruck entstehen, daß ich mich als Verfasser in den Vordergrund gestellt habe, dann liegt es nicht in meiner Absicht, doch manchmal wird es bei einigen Schilderungen nicht ganz zu umgehen sein, ich bitte dann um Nachsicht.

1. Abschnitt

Jedem Menschen werden bei einer Rückerinnerung an die Jugendzeit ein paar Persönlichkeiten ganz besonders hell aufleuchten, für mich waren es unter anderem drei markante Männer des Husumer Fußballvereins von 1918: Bernhard Petersen - Hermann Lex und Werner Rusbült. Und diesen Abschnitt müßte man eigentlich "Rusbült" überschreiben.


Das erste Fußballspiel, an das ich mich zurückerinnern kann, war ein Wattenfußballspiel Husum gegen Heide im Schobüller Watt. Ich war damals vielleicht zehn Jahre alt, und mit zehn, zwölf Jungs ging es dann los "von Röms an de Hoom lang, öwer de Husumer Sit bet an de Erholung und denn de Holtscho in de Hann quer öwert Watt no Schobüll".

Dort war ein Kampfplatz im Watt abgezeichnet. Es waren viele Zuschauer gekommen, alle kamen voll auf ihre Kosten, denn so ein "lustiges" Spiel hat man wohl nie wieder gesehen. Alte Anhänger können sich sicher noch an diesen einmaligen "Rutschfußball" erinnern. Wer damals gewonnen hat, weiß ich nicht mehr, doch an ein paar ganz alte Veteranen des Vereins kann ich mich noch gut erinnern. Sie waren mit von der Partie, da war der unverwüstliche Peter Clausen (Schmied, Osterende) im Tor, da spielten und lachten noch Johannes "Hanne Bodder" Hansen - Adolf "Ogge" Classen - Hans Bostedt - Heinrich "Hein" Grell - Hans-Dietrich "Hanne-Diede" Blunck und unser Römsinger Christoph Jensen und andere.Nach dem Spiel sahen sich alle ganz ähnlich, sie waren alle, ob Husumer oder Heider schwarz wie die Neger.


Von diesem Tag an verging für mich und meinen Jugendfreund Heinrich "Heine" Speck kein Sonntag, an dem wir nicht zum Sportplatz Topf / Marienhofweg rannten, wenn dort "18" spielte. Wir kickten als Jungs wohl genau so wild, wie es die Jungs heute tun. Es wurde mit allem "gebolzt", was sich wohl grad noch so als Ball bezeichnen ließ, Da wurden "tolle" Mannschaften gebildet. In Röms spielten die vom Osten gegen Westen (damals wußten wir oder ahnten wir noch nicht, wie tragisch einmal in der großen Geschichte diese Mannschaftsbezeichnungen sein würden). Da gab's die Mannschaft vom "Zingel", von der Großstraße, vom Osterende, die Schippermannschaft. Alle spielten untereinander, miteinander und gegeneinander. Das ging sogar später noch weiter, sozusagen "außer Konkurrenz", als viele Jungs schon bei "18" waren, wenn man es auch nicht gern sah.

Es wurden tolle "Schlachten" geschlagen, die auf der Römsinger Kuhgräsung oder auf dem Hartplatz der Freiheit ausgefochten wurden. Meistens gingen diese Kämpfe über mehrere Stunden, oft wurden die Spiele ohne Entscheidung abgebrochen, weil entweder der Ball kaputt ging oder der Besitzer nach Hause mußte, oft wurde auch bis tief in die Nacht gefußballert, so daß dann wegen Dunkelheit "abgebrochen" werden mußte. Wir in Röms träumten damals von einem Rödemisser Sportverein, doch es war ein Jugendtraum.

In diesem "Zustand" kamen wir dann Sonntag für Sonntag auf den "Achteinplatz". Und eines Tages wurden wir von dem leider viel zu früh verstorbenen Herrn Otto Mißfeldt, der damals auch ein sehr rühriger 18er war, angesprochen, ob wir nicht Lust hätten, beim HFV von 1918 zu spielen? Und ob wir Lust hatten! So kamen wir zu den Farben blau-weiß-rot. Zuhause gab es da noch ein paar Hindernisse, doch meine beiden älteren Brüder, beide schon im Verein, halfen kräftig mit, die Eltern zu überzeugen, erzählten begeistert vom Jugendtrainer Werner Rusbült, und so klappte es dann bald. Es ging auch nicht um den Fußballsport als solchen, sondern es waren mehr die materiellen Probleme, die im Vordergrund standen. Es war ja damals nicht so wie heute. Nicht jeder konnte sich den Luxus von Fußballstiefeln leisten oder sich den Sportdreß kaufen. Irgendwie ist es dann doch ermöglicht worden.


So kam ich 1934 mit zwölf Jahren zu Husum 18, zusammen mit meinem Freund Heinrich "Heine" Speck. In meinem ganzen Leben habe ich mich nicht mehr über ein paar neue Schuhe gefreut als über meine ersten Fußballstiefel. So kamen wir zu Werner Rusbült, einen Trainer wie ich nie wieder einen kennengelernt habe. Er spielte in der ersten Mannschaft als Mittelläufer und war auf dem Platz ein Vorbild an Fairneß, Eifer, Einsatz und Können, er war als Jugendobmann und Trainer makellos, forsch, aber nie ungerecht. Er war sicher nicht nur für mich ein Idol, für Husum 18 ist er legendär!

Ja ich kann mich noch sehr gut an Werner Rusbült erinnern, an seine väterliche Art, wenn es galt, Jungs, die noch nicht so fix und gewandt waren, gegen ältere, "schon Könner" abzuschirmen, an seine pädagogischen Fähigkeiten bei jedem Jungen mit dem richtigen Einfühlungsvermögen, mit den passenden Worten Vertrauen und Begeisterung auszulösen. So fanden Neue sehr bald in die Gemeinschaft, und das Ganze war nach Neuzugängen sehr schnell eine Einheit mit Schwung und Harmonie.

Da, wo nun ein Junge noch nicht so konnte, wie er wohl gern wollte, da brachte Werner Rusbült mit Verständnis, Ausdauer und einem Schuß gewinnenden Humors mit der Zeit doch beharrlich "etwas" an den Mann. Dort, wo sich einer flegelhaft verhielt, konnte er dann mit wenigen energischen Sätzen das Gleichgewicht in der �£bungsgruppe wiederherstellen. Werner Rusbült besaß als Trainer eine hervorragende Menschenführung, als Kind hat man das zwar noch nicht so gewußt, aber man spürte, später erkannte man es.

Wenn wir am Trainingsabend Aufstellung nahmen, ob auf dem Fußballplatz, ob damals im Saal des Handwerkerhauses, wo wir auch eine Zeitlang trainierten, oder in der alten Turnhalle hinter der Bürgerschule auf der Kleinen Freiheit, grundsätzlich wurden erst ein paar Runden herummarschiert und drei Strophen "Ich schwör auf 18" geschmettert. So hat er uns damals zu Sportlern gemacht, die ihren Verein liebten, die Liebe zum Spiel bekamen und die immer begeisterungsfähiger wurden.

(wird fortgesetzt)

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1934ff.

Husum 18 / Historisches

Aus den Vereinsnachrichten vom 1. Mai 1979

Domuls bis Achtein

von Jupp Schönfeld

Dem Wirken von Werner Rusbült ist es dann wohl auch zuzuschreiben, daß die Jungmannen, die Jugend-, Schüler- und Knabenmannschaften große sportliche Erfolge errangen, und nicht zuletzt ist es mit sein Verdienst, daß aus seinen Jugendspielern später meist tüchtige Männer wurden.

Unter diesen guten Einflüssen nahm die Zahl der Jugendspieler auch immer mehr zu. So daß es damals gar nicht so einfach war, alle an den Ball zu bringen, das heißt alle zum "Spielen" unterzubringen, denn es mangelte an Gegnern. Seinerzeit hatten z.B. die kleinen Ortschaften um Husum keine Sportvereine, zumindest keine Jugendmannschaften in der Anzahl wie heute. Wir hatten damals alleine drei Jugendmannschaften in einer Altersgruppe. Die elf Besten spielten natürlich in der ersten Jugend, das waren dann die Unschlagbaren. Die anderen zwei Mannschaften waren natürlich auch ballgierig und wollten "spielen", so mußte sich Werner Rusbült immer wieder was Neues einfallen lassen, doch er brachte es fertig. Er veranstaltete Vereinsturniere oder dergleichen, so daß wir immer am Ball blieben. Ich war kein großer Könner, dafür aber sehr eifrig und spielte in der dritten Jugend. Dafür war ich dann aber Mannschaftsführer, ein ganz besonderes Privileg bei Werner Rusbült.

Der Mannschaftsführer mußte nämlich auf Draht sein, er bekam vom Trainer extra für diesen Zweck vorgedruckte Benachrichtigungskarten, mit denen er seiner Mannschaft dann hundertprozentig Bescheid geben konnte, wann und wo das nächste Spiel war, die Treffpunkt- und Abfahrtszeiten und so weiter. Außerdem bekam er vom Trainer Werner Rusbült ein "Spielberichtsheft", und mit diesem Heft mußte er dann am Montagabend zur "Ausschußsitzung" ins Nebenzimmer des Vereinslokals im Handwerkervereinshaus. Natürlich mußte in diesem Heft ein peinlich genauer Bericht über das sonntägliche Spiel stehen. Diese Berichte wurden dann vom Trainer und von den übrigen "Großen" Hermann Lex - Bernhard Petersen und den Ausschußmitgliedern und sogar vom Spielführer der Ligamannschaft manchmal begutachtet und diskutiert - für uns ganz wichtig und "begeisterungssteigernd".

Dieser Montagabend war dann für uns ganz wichtig, schon alleine deshalb, weil wir so mit den "Großen" Kontakt bekamen. Werner Rusbült verstand es einfach durch seine feine gewinnende Art, sich die Achtung und uns die Begeisterung zu verschaffen. Alles in einer freundschaftlichen Art. Und wenn es dann mal etwas Besonderes gab, dann bestellte er uns eben abends um 6 Uhr zum Eingang der Firma CJ Schmidt, wo er hauptberuflich tätig war. Und von hier bis zur Firma Schierholz, spätestens bis zur Einhorn-Apotheke wurde viel besprochen und bereinigt. Er schenkte uns Fußball-Zeitungen, Bilder und Sporthefte, er befaßte sich einfach "total" mit der 18er Jugend.

Eine Geschichte vergesse ich nicht, ich darf sie hier wohl mal erzählen? Es war 1937, am 8. Oktober, mein Geburtstag. Wie so oft ließ mich Trainer Werner Rusbült um sechs Uhr abends zum Eingang von CJ Schmidt kommen, um mich dann nach Feierabend fröhlich und lachend in die Mitte seiner Kollegen zu nehmen. Dann jedoch nahm er mich still auf die Seite und in seiner unnachahmlichen Art dankte er mir für meinen Eifer, und dann schenkte er mir eine Eintrittskarte zum Fußball-Länderspiel Deutschland - Schweden in Hamburg und eine Fahrkarte dorthin. Wahrlich, es war das schönste Geschenk, welches man mir jemals machte. Nie wieder in meinem ganzen Leben habe ich etwas so heiß und glühend in Händen gehalten wie diese Karten "in min Büxentasch, een Kort links, de annere rechts, und denn draf von de Krämerstrad öwer de Zingel na Röms".

Ich komme jetzt oftmals zu Bundesligaspielen oder auch mal zu einem Länderspiel ins Stuttgarter Neckarstadion, doch nie wieder hat ein großes Fußballspiel so tief auf mich gewirkt, wie damals dieses im November 1937. Deutschland gewann 5:0, wir konnten damals große Fußballer sehen, es spielten:

Hans Jakob
Paul Janes Reinhold Münzenberg
Andreas Kupfer Ludwig Goldbrunner Albin Kitzinger
Ernst Lehner Otto Siffling Fritz Szepan Helmut Schön Ala Urbahn

Doch zurück zu Husum 18. An folgende Spieler, die unter Jugendtrainer Werner Rusbült in feinen erfolgreichen Mannschaften spielten, kann ich mich noch sehr gut erinnern, da waren die Jungmannen: Hermann "Thesi" Petersen - Oswald Reese - Fenske - Gnuzmann - Johannes "Hanni" Michaelsen - Hermann Ovens - Max "Magge" Nehlsen jun. - Max Struve - Heinz Knüppel - Otto "Otti" Degenkolbe (diese beiden Letzteren wurden dann bald hervorragende Ligaspieler) - Heiner Cohrs - Rudolph "Rudi" Knüppel - Carsten (Maler/Bredstedt) - Hans "Hanne" Martens - Jens Lütt - Henry Grund - Dietrich "Bubi" Blunck - Walter Deertz - Otto Odefey - Max Eckholdt u.a.

Und dann die Jugend-, Knaben- und Schülerspieler: "Dahle" Sievers - Fritz Balzukat - Heinz Redner - Hans Kissner - Ferdinand Petersen - Max "Magge" Sönnichsen - August "Aue" Carstens - Ernst August "Caschi" Carstens - Günther "Didi" Herrmann - Michael "Micha" Werner und Wilhelm "Willi" Michaelsen - Otto "Bobby" Preising - Ferdinand Jensen - Egon Bracker - Heinrich "Heine" Speck - Günther Marxen - Peter Cornils - Thomsen - Harald Otto - Peter Cohrs - Werner Nachtigall - Conrad "Conny" Mader - Helmuth Huß - Ernst Lütt - Albert Niemann - Ove Nehlsen - Momme Nielsen - "Muschi" Walkerling - Heinz Knüppel - Kurt Kabelitz - Georg Günther - Gerhard und Günther Präger - Hans Hansen und viele, die ich wohl nicht alle behalten habe.

Alle waren sogenannte Werner-Rusbült-Schüler, alle begeisterte 18er. Viele von ihnen mußten in dem gnadenlosen Krieg ihr junges Leben geben. Unter ihnen auch meine drei Brüder und mein Freund Heinrich "Heine" Speck (ich komme noch auf ihn zurück).

Viele waren sicher hochtalentierte Fußballer und wären wohl hervorragendes Spieler geworden. Viele alte 18er werden sich erinnern! Unser feiner Jugendobmann und Trainer Werner Rusbült verließ Husum 18 viel zu früh, er hinterließ eine große Lücke ...


Die 30er Jahre

Es war auf einem Stiftungsfest im Handwerkerhaus. Im Rahmen des Festabends zeigten die Jugendspieler den Gästen, was sie bei Werner Rusbült gelernt haben. In Gruppen wurde "stoppen, köpfen, passen" vorgeführt. Anschließend nahmen wir dann im sauberen Dreß mit heißen Köpfen Aufstellung, um die einstudierten Sprüche herunterzuschmettern, die sich auf unseren Verein und seinen ersten Vorsitzenden Bernhard Petersen bezogen. Einen Vers habe ich bis heute in Erinnerung, er galt Bernhard Petersen, und der kleine Michael "Micha" Werner schmetterte ihn in den Saal: "Dein Name hat einen guten Klang im hohen deutschen Norden, denn eh' der Fußballsport in unsre Heimat drang, war er Dir zum Lebensinhalt geworden!"

Dieser Spruch von damals hat wohl bis heute seinen tiefen Sinn behalten, denn Bernhard Petersen hat seit der Gründung des Vereins Husum 18 bis in die Gegenwart sein Leben seinem Verein gewidmet - und mit ihm damals all jene Männer, die man gar nicht alle aufzählen kann. Ich denke dabei an die Gründungs- und Ausschußmitglieder, ich denke dabei an jene, die damals teilweise schon "Alte-Herren-Mannschaften" bildeten. Ich denke an Herbert Koch - Karl "Noske" Carstens - Karl "Kalli" Schladetzky - Hermann Bahnsen, an Johannes "Hans" Rademacher, Otto und Ernst "Mauschi" Mißfeldt, an Adolf "Ogge" Classen und an den unvergessenen Hermann Lex.

Es waren alles Männer, die uns Jugendlichen Vorbild waren, sei es als Spieler oder als Funktionär zum Wohle des Vereins. Und was war das für ein Verein, damals schon! Was wurden damals für Fußballschlachten auf dem 18-Platz "Marienhof" geschlagen.(wird fortgesetzt)

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1934ff.

Husum 18 / Historisches

Aus den Vereinsnachrichten vom 1. Juni 1979

Domuls bis Achtein

von Jupp Schönfeld

Flensburg 08, Schleswig 06, Rasensport Schleswig, gegen Kilia, Borussia, VfB, Comet Kiel, gegen Ellerbek, Rendsburg, Bordesholm und wie die Gegner alle hießen. Was waren das für Fußballfeste, wenn Ostern oder Pfingsten Holstein Kiel oder Boldklubben Kopenhagen zum Freundschaftsspiel gegen 18 antraten und wenn unser Bernhard Petersen seinen "obligatorischen" Blumenstrauß vor Spielbeginn überreichte und wenn dann der "gestiftete neue Ball" angestoßen wurde. Wer hat wohl die großen Lokalkämpfe 18 gegen Frisia (damals spielten noch Hugo Starken, Otto "Ocke" Langholz und "Jüchche" bei Frisia) vergessen? Da ging es immer hart zur Sache.

Husumer Fußballfeste!

Denn ging dat los, "hüt speelt Achtein". Mein Freund Heinrich "Heine" Speck und ich waren unzertrennliche Fußballfreunde, als Jugendspieler bei Werner Rüsbült und als "Fans", wenn die Liga spielte. Sonntagnachmittag rannten wir dann "von Röms över de Lämmerfenn (affkörten över de Fenn von Carsten Knip bet an de Au, manchmol keem denn de Buar Schwerdt mit de Pietsch achter uns), denn över de Plon no dee Süderstraat bet Handwerkerhus". Hier wollten wir dann natürlich sehen, wie die "Großen" (die sich hier umzogen und im Dreß zum Platz fuhren) in den neuen roten Grunertbus "Zur grauen Stadt am Meer" einstiegen und wollten die lustigen Sprüche von Fritz Grunert hören, der in seiner "platt-/hochdeutschen" Art den Spielern aufmunternd zurief. Und wir, das war immer so ein ganzer "Schwarm", zitterten vor Erregung und Erwartung wohl mehr, wie der Bus, der da im Standgas vor dem Fahrradladen von Lüttgens "dieselte". Bevor er dann abfuhr, rannten wir dann weiter, "dör de Süderstraat, de Mönkewech rop, dör de Osterenn henn nat 18-Platz".

Wir waren so schnell, daß wir meistens schon wieder vor dem Bus da waren. Dann konnten wir "sie" nämlich auch wieder beim Aussteigen bewundern, und wir hörten dann nochmals lustige Sprüche von Fritz Grunert.

Dann wurden unsere "Helden" beim Warmhüpfen und ersten Ballberührungen bewundert, und "denn wor no gau bi Wilhelm Olroht een Tut Studentenfutter köft" (Wilhelm Olroht hatte am Bahnhof, damals stand dort ein Haus, einen Süßwaren- und Obsthandel und zog jeden Sonntag seinen vierrädrigen Karren mit Obst und Süßwaren vom Bahnhof bis zum Marienhofweg, und wenn es mal regnete, nun dann kam eine graue Zeltplane über "Abbeln und Plumm").

Joa, und denn kunn dat losgaan, achter dar Gegnertor, und denn "Achtein vor, noch ein Tor!"

Ich erinnere mich an die prachtvollen Mannschaften mit all den alten Kämpen noch sehr genau. Nacheinander spielten damals z.B. im Tor: Emil "Esche" Sönnichsen - Reichert - Peter Clausen (Schmied, Osterende) - August "Audi" Nachtigall - Ernst Gosch und Oswald Reese (Reserve) - Hermann "Thesi" Petersen und später Hugo Starken.

Verteidiger und Läufer waren: Johannes "Hans" Rademacher - Werner "Fritz" Lorenzen - Ernst "Mauschi" Mißfeldt - Karl "Kalli" Krieger - Karl "Kalli" Schladetzky - Glaser Johannsen - Werner Rusbült - Otto "Ocke" Langholz - Hans Bostedt - Wilhelm Eckholdt - Bernhard Nissen - Alfred "Eie" Wolf - Felix Nowack und der unverwüstliche unvergessene Martin "Martin P" Petersen.

Und die Stürmer: Bruno Christiansen - Johannes "Hanni" Nielsen - Ferdinand Petersen - Hans "Hansi" Schöning - Wilhelm "Tank" Büchel - Heinz "Heine P" Petersen - Otto "Oddy" Knüppel und Otto "Otti" Degenkolbe - Herbert Stadelmeyer - Herbert Seidemann - Herbert Kolbe - Herbert Linnau und später der so begabte Hans "Hansi" Storjohann aus Bredstedt - alles "Bomben-Spieler."

Wer erinnert sich nicht an den bienenfleißigen "Martin P", der mehr lag als stand, der so klein war, aber doch jeden Kopfball hatte, der am Gegner klebte und dieselben schier zur Verzweiflung brachte, der unter seinem Wuschelkopf einen Schädel aus Eisen zu haben schien. Oder an Wilhelm "Tank" Büchel mit seinem südlichen Ausdruck und den weißen Biesen an der blauen Sporthose. Oder an unseren Trainer Werner Rusbült, der so genau und präzise abspielte. Oder "Heine P" mit seinen grandiosen Flankenläufen und butterweichen Flugbällen, wenn es "lief". Und an seine wegwerfenden Armbewegungen zu den Zuschauern, wenn der Ball nicht zu ihm kam, so ungefähr einen halben Meter vor dem Fuß. Und wenn er dann zu den Zuschauern sagte (die rechts der Tribüne standen), "hier mut de Ball doch her, ik bin doch ganz fri, och go doch wech, de kiken doch ne". Um dann, nach einer nochmaligen wegwerfenden Armbewegung erneut loszurennen, um es diesmal zu zeigen, wenn der Ball erneut nach rechts kam. Wenn es dann wieder nicht klappte, "och, de lotten mi doch hüt hier verhungern, go doch wech!" Oder da waren die vier Arbeitsdienstler, Herbert Linnau - Herbert Kolbe - Herbert Stadelmeyer und Herbert Seidemann, der oft Tore am Fließband schoß. Sie spielten für 18 alle mit letztem Einsatz und Elan, und sie alle waren dadurch für uns Jugendspieler echte Vorbilder.

Wir fieberten mit ihnen, sie begeisterten uns. Nie vergesse ich, wie in den späten 30er Jahren das Schlußdreieck Hermann "Thesi" Petersen - Wilhelm Eckholdt und Bernhard Nissen seine Strafraum "reinfegte". In jenen Tagen stand einmal im Kieler Kurier nach einem 18er Auswärtsspiel zu lesen: "Nissen/Eckholdt von Husum 18 sind mittlerweile in der Schleswig-Holsteinischen Bezirksliga als das beste Verteidigerpaar anzusehen, und von allen Gegnern gefürchtet." Hierzu muß ich einflechten daß mein Freund Heinrich "Heine" Speck und ich uns über Jahre hinweg von jedem Spiel der Ligamannschaft Resultate, Spielberichte und Bilder aus allen zu ergatternden Zeitungen ausschnitten und mit Zwischen- und Abschlußtabellen fein säuberlich, in extra hierfür gekaufte Hefte einklebten. Jeder für sich natürlich. Ich habe dieses "Berichtsheft über 18" während des ganzen Krieges bei mir gehabt und sehr oft darin gelesen. Leider ist es mir doch noch 1944 verloren gegangen und liegt irgendwo in einem nordnorwegischen Fjord, und damit auch viele schöne Erinnerungsbilder, mit denen ich diese Aufzeichnungen gerne aufgelockert hätte.

Ja, es waren schon begeisternde Fußballzeiten damals auf dem schönen "Tribünen-Sportplatz Marienhof". Welcher Verein hatte damals schon so eine feine gepflegte Platzanlage. Und wenn ich an die Tribüne denke, dann fallen mir auch gleich wieder all die alten Stammbesucher ein, die dazu gehörten wie der Ball zum Spiel. Es ist nicht möglich alle aufzuzählen, viele kannte man eben, ohne ihre Namen zu wissen oder zu behalten. Aber ein paar kann man nicht übergehen, sie gehörten mit ihren Originalitäten dazu wie das Salz zur Suppe, sie würzten das sonntägliche Fluidum auf dem 18-Platz, und man kannte sie wie z.B. Heine P oder Martin P.

Da waren Ludwig "Luden" Schmüser, Max Struve oder "Püttjer" Hansen, Waldemar Lange und Bäckermeister Bruhn, Bäcker Schüler oder Zeitungsmann Ludwig Thoms, der alte Bostedt, Hans Bischoff oder der schalkhafte Max Herrmann, alle immer zu einem Spaß aufgelegt oder - um Heine P richtig "scharfzumachen", daß er so richtig in Fahrt kam.

Oh, wir Jungs hatten für all diese humorvollen "Nebensächlichkeiten" ein feines Ohr, dabei war alles so urgemütlich, trotz spannender Spiele. Zwischendurch ärgerten wir dann - meistens, wenn unsere Liga in Rückstand lag - in der Halbzeit den alten "Strohmeier" (oder hett he so ähnli heten). Er war damals schon ein alter Mann, er stand grundsätzlich rechts der Tribüne mit "Klubben an de Föt und wiite Strümp an". Er spielte immer so mit, daß man am Spielschluß hätte meinen können, hier wäre eine Wühlmaus am Wirken gewesen, solche Löcher zeichneten seinen Stammplatz aus, weil er bei jedem vermeintlichen Torschuß mitschoß. Nun, wenn 18 in Rückstand lag, "denn ging dat los, henn no Opa Strohmeier, 'Achtein verleert, Achtein verleert!'". Aber gleich einen gehörigen Sicherheitsabstand zwischen ihm und uns, denn er war schnell - und wie schnell. "Achtein verleert, Achtein!" Wir wünschten es ja selber am wenigsten, aber er sah dann wohl von unseren Vereinsfarben blau-weiß-rot nur die letzte. "Und denn schmet he de Klubben achter sick, und denn achter uns. Denn gingen so tein bet twinti Jungs op de Loop, denn wehe, wenn he een bi de Büx kreech (einmal erwischte er Kurt Fentzahn), de kreech dann von wegen 'Achtein verleert'!"

Ja, das waren Originale, die es immer und überall gibt. Es waren von uns keine Bösartigkeiten, sollten wenigstens keine sein. Es gehörte eben dazu. Später habe ich oft über diesen alten Mann nachgedacht, wie hat er 18 wohl geliebt?

So verbrachten wir unsere Sonntage, morgen spielten wir begeistert selber, und nachmittags gingen wir zu unserer Liga. Dort fanden wir Spaß, Unterhaltung, Begeisterung, Vorbilder und Ideale. Ja, und wenn unsere Liga dann mal auswärts spielte, dann "ging dat ins Central-Theater, und wenn wi denn keen twinti / dörti Penn harrn", dann hatte sicher einer eine alte Münze, die sammelte nämlich der alte Kinobesitzer Langefeldt. "Un sien Fru", die gerade Rahmstangen und Gummibärchen verkaufte, "keek jüs ne" (sie durfte von diesem Kuhhandel natürlich nichts wissen). Dann ließ er uns schnell rein, "ower ers, wenn dat schon düster wär." "Manchmal ower wul he ock nich so richti", entweder sagte ihm die angebotene Münze nicht zu, oder - und das war meistens der Grund - "he harr Angst för de Olsch, de harr jüs öwer de Brill kegen." Dann legte eben ein anderer aus, und denn ging das rein zu Pat und Paterchon oder Tom Mix mit Günther (Didi) Herrmann oder so ner Clique. Anschließend spendierte Günther uns dann immer, wie auch oft nach dem Training (immer so fünf, sechs Jungs) bei Cafe Hoyer "in de Norderstraad" einen Eis-Früchtebecher. Ja, seine Mutter hatte ihm extra Geld dafür gegeben, denn Taschengeld hatten wohl die wenigsten von uns.

Ja, und dann Sonntagabends so "Klock söben", wenn die Liga in Kiel, Schleswig, Eckernförde oder sonstwo auswärts gespielt hatte, dann fieberten mein Heinrich und ich natürlich wieder dem Ergebnis entgegen. Und es war bei Auswärtsspielen der Liga immer wieder dasselbe Karussell. Wir mußten das Ergebnis wissen! "Denn ging dat wer op de Loop, henn not Handwerkerhaus". Und hier begann dann jedesmal dasselbe Knobeln: "Wer geit rin? Ick ne, du!" Und der Ventilator über dem Eingang summte dazu, und trug uns die Teepunsch- und Grogschwaden unter die Nasen. Dann wurde hin und her geknobelt, solange bis es mich zum Schluß dann doch traf, und Heine hat eigentlich nie gemogelt. "Also rin, nomul deep Luft holn, und denn rin, gliek schnurstraks no de Theke, dor stunn denn Markus mit sin Käthe un mokten Teepunsch und Beer torecht."

An seiner Mine konnte man fast schon das Ergebnis ablesen, "denn keck he runner, ick wär je man lütt" (Markus, unser Vereinswirt, kannte uns schon, er wußte genau, was wir wollten). "Watt schass du?" "Wi hett Achtein speelt?" "Twe Null gewunn, min Jung." Oder aber, wenn es andersrum war: "Wi hett Achtein speelt?" kam meistens "Twe Null verlorn, und jetzt ruut!" "Un gau wer man wer buten. Heine wull dat denn ers ni glöben", aber er merkte mir dann bald die "niederschmetternde" Auskunft an. Dann wurde der Rückweg nach Röms sehr, sehr lang, wir litten dann tüchtig mit. War es aber ein Unentschieden oder gar ein Sieg, dann ach war die Welt so schön und alles in Ordnung.

Ja, so verliefen für uns die 30er Jahre, wir selber, alle die jungen Leute, die ich aufzählte, spielten begeistert für unseren HFV 18, und die Stunden, die ich auf dem Marienhofplatz zugebracht habe, ob als Jugendspieler oder als junge Anhänger, waren so, daß ich diese Zeit in besonders guter Erinnerung behalten habe, so wird es vielen jetzt Älteren ergangen sein.

Dann kam dieser unbarmherzige und gnadenlose Krieg! Mit den Jahren, den Jahrgängen entsprechend, wurde einer nach dem anderen Soldat. Wir verloren uns aus den Augen, verloren auch so ziemlich den Kontakt zueinander und mußten dann leider (Mutter schrieb es dann), immer wieder lesen, daß der und der, und ach, so viele ehemalige Freunde und 18-Kameraden ihr blutjunges Leben gegeben hatten. Das waren immer furchtbar traurige Nachrichten, am härtesten traf mich dann die Nachricht, daß auch mein Freund Heinrich "Heine" Speck gefallen war. Ich habe es nie richtig überwunden. Was hatten wir für Gemeinsamkeiten, was haben wir zusammen trainiert, gebolzt und gelacht, mit welchem Eifer und tiefem Ernst schauten wir zum Trainer Werner Rusbült auf, wie studierten wir Fußballberichte und Sportzeitungen. Nun war alles vorbei ... (Wird fortgesetzt.)


Eine "Bombenmannschaft" der 30er Jahre!

Heinz "Heine P" Petersen - Otto "Otti" Degenkolbe - Herbert Seidemann - Martin "Martin P" Petersen - Herbert Linnau - Hans Bostedt - Herbert Stadelmeyer - Otto "Ocke" Langholz - Bernhard Nissen - Hermann "Thesi" Petersen - Wilhelm Eckholdt

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1935

Husum 18 / 50 Jahre

aus der Festschrift vom 1. Juni 1968

Aus vergangenen Tagen

Aus einigen Aufzeichnungen entnehmen wir, daß Husum 18 während der 30er Jahre im schleswig-holsteinischen Fußballsport eine bedeutende Rolle spielte. 1937/38 spielten in der Bezirksklasse folgende Mannschaften. VfR Neumünster (1:3), Comet Kiel (6:1), Schleswig 06 (2:1), Gut Heil Neumünster (7:0), Luftwaffen-Sportverein Schleswig (2:3), SV Friedrichsort (0:1), Flensburg 08 (3:2), Kiel-Gaarden (0:3), Borussia Kiel (3:0), BV Rendsburg (9:3), Husum 18 nahm von 11 Vereinen den 7. Tabellenplatz ein.

Husum 18 Liga 1935/36

Ernst Gosch - Hermann Lex - Wilhelm "Tank" Büchel - Thomas "Höhnersupp" Christiansen - Hans-August "Audi" Nachtigall - Johannsen - Johannes "Hanni" Nielsen - Werner Rusbült - Hans "Hansi" Schöning - Otto "Otti" Degenkolbe - Heinz "Heine P" Petersen - Kraus - Martin "Martin P" Petersen - Bernhard Petersen - Adolf "Ogge" Classen.

Foto: Knittel

Auch Husum 18's Jugend machte von sich reden. Unter ihrem damaligen Jugendobmann Werner Rusbült gewannen die Jungmannen gegen Rasensport Schleswig 7:0 während die Jugend mit 20:0 einen Rekordsieg verbuchte.

Die 30er Jahre waren die Zeit der Gebrüder Petersen. Martin P als rechter Läufer, während Heine P als Rechtsaußen in ganz Schleswig-Holstein durch seinen gewaltigen Torschuß und durch seine weichen Flanken bekannt war. Fuhr Husum 18 nach auswärts, hieß die erste Frage der Gastgeber: "Sind die Gebrüder Petersen mit dabei?" 18 spielte damals mit: Hans-August "Audi" Nachtigall - Bernhard Nissen - Wilhlem Eckholdt - Martin P - Herbert Stadelmeyer - Hans Bostedt - Heine P - Herbert Linnau - Wilhelm "Tank" Büchel - Herbert Seidemann - Hermann "Thesi" Petersen. Auch der Sturm mit Walter "Scharre" Petersen - Herbert Kolbe - Hans "Hansi" Storjohann, Otto "Ocke" Langholz und Hermann "Thesi" Petersen bewährtes sich großartig.

Die anhaltenden guten Erfolge hielten weiterhin an, bis der Krieg immer mehr in den Sport eingriff. Es war zu damaliger Zeit sehr schwer, immer 11 Kameraden zusammen zu bekommen. Doch Bernhard Petersen und Herbert Koch verstanden es immer wieder, wie viel Geschick und Glück eine Mannschaft auf die Beine zu stellen.

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1935

Husum 18 / Historisches

Aus den VereinsNachrichten vom
1. Januar 1981

"Domuls bi Achtein"

Eine kleine Geschichte aus der Jugendzeit

In meinen Erinnerungen von "domuls" habe ich schon wiederholt von der hervorragenden Jugendbetreuung und der damit verbundenen Begeisterung für unseren Verein und unseren Trainer Werner Rusbült berichtet und darüber, wie es war damals in den 1930er Jahren. Wiedermal ist es jetzt die besinnliche Weihnachtszeit und alle Jahre wieder muß ich an folgende kleine Geschichte denken.

Es war im Jahre 1935, "ick wär domuls düttein Johr olt." Wie jedes Jahr hatten wir so kurz vor Weihnachten unsere Jugendweihnachtsfeier. Im Saale des Handwerker-Vereinshauses, unserem damaligen Vereinslokal, kam dann der Weihnachtsmann. Er wußte dann von jedem Jungen, ob er trainingsfleißig gewesen war, ob er mal flegelhaft oder sonst irgendwie aufgefallen war (der kriegte dann einen Klapps mit der ominösen Rute), er wußte eigenartigerweise viel zu viel, doch nachdem man unter dem brennenden Christbaum gemeinsam ein paar Weihnachtslieder und unser "Ich schwör auf 18" runtergeschmettert hatte, bekam jeder Jugendspieler "seine" Tüte aus tannengeschmücktem Papier mit Nüssen, Marzipan, Äpfeln und Apfelsinen. Wir waren dann immer ganz stolz und glücklich!

Ja, "heute" hört sich das wohl seltsam an, aber wir freuten uns "domuls" über Äpfel, Nüsse und Marzipan in der glitzernden Weihnachtstüte wohl mehr, als heute so mancher in der sogenannten Wohlstandszeit über scheinbar wertvollere Dinge.

Und wie freuten sich dann all die Alten, die dabei gemütlich beim Teepunsch oder Grog ihre Freude an unseren glänzenden Augen hatten. Da waren der Trainer Werner Rusbült, für den so mancher Junge durchs Feuer gegangen wäre, da war unser guter Vereinsvorsitzender Bernhard Petersen, da waren die Herren Herbert Koch - Karl "Noske" Carstens - Franz Sülau - Max Struve - Hermann Lex und all die, die man gar nicht alle aufzählen kann, nicht zu vergessen natürlich unseren schmunzelnde Vereinswirt Markus Nehlsen mit seiner guten Frau. Es war eine begeisternde Vereinsfamilie, unser "Achtein".

Bei dieser besagten Feier nun nahm mich nach der "Bescherung"Hermann Lex auf die Seite und drückte mir noch eine zweite glitzernde Tüte in die Hand (die der Weihnachtsmann bei ihm abgegeben hatte). Inhalt: ein paar funkelnagelneue rote Stutzen. Er wußte natürlich, wo es fehlte, sicher hatte er mich mal im gewöhnlichen Socken kicken gesehen. Junge, Junge, hab ich mich gefreut!

Und glücklich, zufrieden und begeistert ging es dann wieder zurück nach "Röms". "Heine" (mein Jugendfreund Heinrich "Heine" Speck) und "ick" machten aber sehr oft einen Umweg. "Wi wulln nomull kigen, wat bi Willy Hellberg in dee Osterenn för Motorräder utstellt wär'n, un wat se kossen deen."

Und so gingen wir stets übern Klosterfriedhof Richtung Osterende. "Owwa, spätestens bi Tedje Storm sin Grab wulln wi doch mull sehn, wat nun all in dee dore Wihnachtstut wär. Owwa dor wär dat to düster, un wi nörgelden öwwer dee Stadtlampen, denn wi mussen unse Nischiriket noch een Ogenblik opschuben. Bi Hellberg för dat Finster, dor wär dat hell, und dor kunn wi denn glick mit de niie Motorräder unse Tut ankigen un dee Nöt telln."

Bei den Schaufenstern angekommen, hatten wir aber an diesem Abend gar keinen Sinn für ausgestellte Motorräder, und gegenüber im Stadtcafe hörte man Klavier und Geige, sie spielten gerade die böhmische Polka, einige sangen "Tante Hedwig, Tante Hedwig, die Nähmaschine geht nicht". "Owwa Heine wull unbedingt sehn, wat in min Tut wär un wat ick kreegn harr, un ick harr blots Oogen för min rode Strümp. Blots Oogen för dee dor feine Stutzen von Hermann Lex. Un ick weet ne, wi dat keem, mit gans hidde Füüs kunn ick wull beide Tuten nee hol'n, Heine wär owwer ock to ungestüm, un bums, flog de Wihnachtstut op dee Straad. Un natürli platzt de Schid glick op, so dat Abbeln, Abbelsin un de Nöt bet runner no Bäcker Brix raschelten, de Nöt sprungen as Frösche wech, am schlimmsten wärn dee lüüde Hoselnöt. Ers schimpt ick mull richdi mit Heine, owwa hee meende, ick haar sölm Schuld, ick harr je blots no Oogen för dee dor Stutzen, un nichs anners mehr in de Kopp. Denn leegen wi beide op dee Kneen un sammelden Abbeln, Abbelsin un dee Nöt wer tosaam, dee wör'n ja schlisli von Achtein."

"Een poor Lüüd sechen unse Spillwark un see schimpten uns no ut, dat wi uns schämen sulln, so mit de feine Krom rum to schmiten, wenn se wußt harrn, wi wichdi uns disse 'Achtein-Nöt' wärn! Ick glöw, ick heff dee ganse Wech von Bäcker Brix öwwer de Plan un dee Lämmerfenn bet no Röms mit min Heine schimpt. Schimpt un lacht, hüt noch denk ich droan torüüch!"

Mein Freund Heinrich "Heine" Speck fiel 1943 in Rußland, ich vergeß ihn nie! An den längst verstorbenen Hermann Lex denk ich oft zurück und in der Weihnachtszeit auch mal an "rote Stutzen"!

Ernst "Jupp" Schönfeld
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1936

Husum 18 / Historisches

Aus den VereinsNachrichten vom
1. Februar 1956

Bernhard Petersen zum 60. Geburtstag

In aller Stille vollendete am 8. Januar in Hamburg/Altona unser langjähriger Vereinsvorsitzender das sechste Lebensjahrzehnt.

Eine ganz nüchterne Meldung und doch ist sie wert genug, einmal kurz in der ruhelosen Hast des Alltags festgehalten zu werden. Denn diese sechs Jahrzehnte des Jubilars haben zu einem entscheidenden Teil dem deutschen Fußballsport gehört, insbesondere dem Ballspiel in seiner Heimatstadt Husum und hier in einem Vorbild von Liebe und Treue der Gründung seines HFV von 1918. 30 Jahre hat Bernhard Petersen unseren Verein geführt.

Bereits seit dem 1. Juni 1936 ist er Träger der goldenen Ehrennadel unseres Vereins; er besitzt die Ehrennadel des Norddeutschen Fußballverbandes sowie den Ehrenbrief des Deutschen Fußballbundes.

Es mag noch manchen Sportsfreund unter uns geben, der sich an den 1. Juni 1936 - das deutsche olympische Jahr - erinnert. Vor 20 Jahren begingen wir das 25-jährige Sportjubiläum Bernhard Petersens, der damals auf der Höhe seiner Schaffenskraft und in der Blüte der Jahre stand. Sportfreunde aus allen Teilen des Landes brachten im festlich geschmückten Vereinslokal in einer schlichten Feierstunde Liebe und Verehrung entgegen. Eduard "Ede" Schiller überbrachte die Glückwünsche aller Vereinsmitglieder. Die Vereinsjugend umrahmte das offizielle Programm mit dem Vortrag eines Verses, verfaßt von Schriftleiter Ludwig Thoms. Hans "Hansi" Schöningüberreichte im Namen der Aktiven die Statue eines Fußballspielers. Die Glückwünsche des damaligen Gau Nordmark überbrachte DFB-Geschäftsführer Thoms, Hamburg. Eine persönliche Gratulation von Dr. Alslev endete mit folgenden Worten: "Wir schwarz-weißen Spieler vom Ufer der Schlei drücken Ihnen in Ehrfurcht die Hände, beglückwünschen Sie zu Ihrem Ehrentag und wünschen, daß Sie noch lange den blau-weiß-roten Farben ihres HFV von 1918 dienen können."

Hermann Lex verlas die Fülle der eingegangenen schriftlichen und telegraphischen Glückwünsche inmitten einer unermeßlichen Zahl von Blumengebinden. Telegramme waren eingegangen vom unvergessenen Simon Koch, vom HSV Hamburg, dem Altinternationalen Knöpfle, von Flensburg 08, Schleswig 06, HSV Heide, von Holstein Kiel und Victoria Hamburg.

Zum Höhepunkt der Feierstunde, zu der sich Jung und Alt zu einer wahren 18er Familie gefunden hatten, wurden die launigen, von Anekdoten gespickten Ausführungen des Jubilars selbst. Er erzählte seinen Werdegang von 1911 im FC Unitas und Alemannia, aus dem später unter seiner Initiative der HFV von 1918 hervorgegangen ist.

Die Schwere des Schicksals ist auch an unserem Bernhard Petersen nicht spurlos vorübergegangen. Die harten Kriegsjahre hielten ihn in der Heimat; vergessen wir nicht, daß es auch hier Pflichten zu erfüllen gab. Wie sehr war Bernhard in dieser Zeit bemüht, die Verbindung zu unseren aktiven Mitgliedern draußen an den Fronten aufrechtzuerhalten, stets in der Hoffnung, sie alle wieder gesund in der Heimatstadt begrüßen zu können. Halten wir einen Augenblick inne und gedenken der Treuen, die im Felde geblieben sind.

Aus schwer verständlichen Gründen war auch Bernhard 1945 gezwungen, eine neue berufliche Existenz aufzubauen. Rückschläge konnten hierbei nicht ausbleiben. Eine stete Linie kehrte erst wieder, als ihn sein Schulfreund Johannes Thordsen nach Hamburg rief. Hier wirkt Bernhard im harten Lebenskampf der Großstadt zum Wohl für seine Familie, sicher aber immer noch mit einem wehmütigen Gefühl der Sehnsucht im Herzen, der Sehnsucht nach seiner geliebten "grauen Stadt am Meer" und seinen HFV von 1918

Möge er seine Familie und uns noch lange in Gesundheit erhalten bleiben!

Die Vereinszeitung würde es dankbar begrüßen, wenn angeregt durch diesen Bericht aus der weiten Welt hier und da noch Erinnerungen auftauchen würden. Nichts kann in einem Sportverein so wichtig sein, wie die Verehrung der Traditionen und ihre Weitergabe an die Jugend.

Dr. Erwin "Pütten" Kraatz
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1937

Husum 18 / Historisches

aus der Festschrift vom 1. Juni 1968

Hans Storjohann war Vorbild für die Jugend

Ein Fußballspieler, an dem alle ihre Freude hatten

Hermann Lex hat uns diesen Beitrag "Aus vergangenen Tagen" geliefert. Heute berichtet er über Hans "Hansi" Storjohann, der am 10. August 1919 in Bredstedt geboren wurde, und der am 21. Januar 1944 sein blühendes Leben in Rußland für das deutsche Vaterland lassen mußte.

Als Mitbegründer von Husum 18 und als treuer Anhänger gehen meine Erinnerungen stets zu dieser Gemeinschaft, in der ich bald 40 Jahre uneigennützig gewirkt und gestrebt habe. Viele alte Freunde und gute Spieler tauchen in meiner Erinnerung auf. Ich kann es nicht leugnen, immer wieder sehe ich das treue Gesicht unseres jugendlichen Hans "Hansi" Storjohann.

Es war in der Zeit, in der unsere Sportfreunde in Bredstedt noch nicht so den Sportbetrieb hatten, wie Husum 18, und 18 war derzeit schon führend. Nur so konnte es unserem unermüdlich für den Verein strebenden Herbert Koch gelingen, einen jugendlichen Könner wie Hans "Hansi" Storjohann für Husum 18 zu gewinnen. Herbert Koch hatte Hans "Hansi" Storjohanns Eltern das Versprechen im Namen des Vereins gegeben, daß wir ihn nur unter der Bedingung aufnehmen, wenn wir ihn in solider, sportlicher Art und Weise behandeln. Wir haben das gehalten. In jedem Haus unserer damaligen Vorstandsmitglieder und auch der anderen 18-Freunde war Hansi herzlichst willkommen. Vor mir liegt die Aufnahme von ihm, auf der Rückseite hat er geschrieben: "Zum ewigen Andenken an Euren Freund Hansi. Bredstedt, den 10.11 1939."

Und was war er für ein Könner. Es ist mir noch gegenwärtig das Spiel gegen Kilia Kiel, ein Gegner für uns, der bestimmt derzeit als kommender Meister der Staffel anzusehen war. Vom Anpfiff an übernahm Hansi sofort Ball und Führung, und in seiner bekannt eleganten Manier knallte er zum 1:0 ein. Große Aufregung bei Kilia. Mannschaftsbetreuer Franz "Seppl" Esser, ehemalig Holstein Kiel, schimpft, daß man den "Mann" nicht gehalten hat. Erneut von der Mitte bekommt Hansi den Ball, alles jubelt, und schon sitzt das zweite Tor von ihm. Aufgeregt wird Kilia, das hatten sie denn doch nicht erwartet. Aber aller guten Dinge sind drei. Und das schafft Hansi auch noch eben vor Halbzeit. Die zweite Halbzeit sieht dann die Kieler Freunde mit dem großen Torwart Harro Clausen auf allen Posten sehr wachsam. Aber am Ende heißt es doch 3:2 für Husum 18.

Wenn Hansi aus Rußland auf Urlaub kam, klappte es für ihn nicht so recht mit dem Fußball, denn gerade in seine Urlaubszeit fielen nur selten Punktspiele, und wie war er dann verärgert. Aber einmal, und das war das letzte Mal, hatten wir in Husum ein Punktspiel gegen Schleswig 06. Es wollte unserem Hans "Hansi" Storjohann kaum etwas glücken, 06 lag uns nie so richtig. Aber da in der 89. Minute, Hansi bekommt den Ball von einem unserer Verteidiger, umspielt alles, ein Blick zum gegnerischen Tor und mit unwahrscheinlicher Eleganz getreten sitzt der Ball im linken oberen Eck, Schlußpfiff 1:0 für 18. Wir haben uns alle gefreut, Spieler und Zuschauer besonders darüber, daß Hansi den Siegtreffer geschossen hat.

Am Dienstag fuhr er wieder zurück nach Rußland. Hansi ist nicht wiedergekommen, als Kompanieführer ist er an der Spitze seiner Kameraden gefallen. Zur Gefallenen-Gedächtnisfeier waren Markus Nehlsen, Herbert Koch und ich (Bernhard Petersen war wegen einer Fußballtagung in Neumünster leider verhindert) in der Kirche zu Bredstedt. Der Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt und in einem Blumenmeer stand der Name "Hans Storjohann" und daneben der Name eines gefallenen Bredstedter Kameraden. Es war eine ergreifende Trauerfeier, die wir nie vergessen werden.

Wir haben viele dieser guten Kameraden verloren, das Bild von Hans "Hansi" Storjohann in unserem Vereinslokal soll uns immer wieder daran erinnern, daß wir keinen unserer fürs Vaterland Gefallenen und auch sonst Verstorbenen unseres Vereins vergessen dürfen.

Für meinen verstorbenen jugendlichen Sportfreund hat das Wort von Matthias Claudius Wahrheit und Berechtigung: "Sie haben einen guten Mann begraben / und mir war er mehr."

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1937/38

Husum 18 / Historisches

Aus den VereinsNachrichten vom
1. Dezember 1968

Aus vergangenen Tagen

Unsere Liga in der Saison 1937/38. Die Aufnahme wurde vor dem Spiel gegen den Luftwaffen-Sportverein Schleswig gemacht. Husum 18 gewann dieses Spiel mit 4:2 Toren. Zweifacher Torschütze war Heinz "Heine P" Petersen.

Heinz "Heine P" Petersen - Otto "Otti" Degenkolbe - Herbert Seidemann - Martin "Martin P" Petersen - Herbert Linnau - Hans Bostedt - Herbert Stadelmeyer - Otto "Ocke" Langholz /
Bernhard Nissen - Hermann "Thesi" Petersen - Wilhelm Eckholdt.

Dieter Schladetzky
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1938/39

Husum 18 / Historisches

Aus den Vereinsnachrichten vom 1. Juli 1978

 

Wer kennt sich hier noch wieder?

Husum 18's Nachwuchs aus den Jahren 1938/39. Ganz links unser unvergessener Jugendtrainer Werner Rusbült, ganz rechts sein Mitarbeiter Günther "Didi" Herrmann; außerdem erkennen wir Otto "Bobby" Preising - Dr. Schiller - Günther Präger - Rolf Suhl.

Leider sind nicht mehr viele von unseren damaligen Fußball Kameraden unter uns. Elf Kameraden mußten ihr Leben dem grausamen Krieg opfern und 7 sind inzwischen verstorben

Günther Präger
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1939

Husum 18 / Historisches

Aus den VereinsNachrichten vom 1. März 1956

&

aus der Festschrift vom 1. Juni 1968

Hermann Lex schrieb uns

In der letzten Woche erreichte uns ein Brief von unserem alten Sportkamerad Hermann Lex aus Rotenburg. Er schickte uns drei kleine Artikel aus seiner so reichen Erinnerung bei Husum 18. Wir danken ihm sehr, daß er uns helfen will, die so große Tradition unseres Vereins unserer Jugend zu übermitteln. Er knüpfte aber auch seine Bitte daran, daß sich noch mehr "alte 18er" bereit finden, ihre Erlebnisse und ihr Wirken bei Husum 18 weiterzugeben.

Rückgrat Husum 18's

Das Abwehr-Trio 1939
Erich Wolf, Hugo Starken und Bernhard Nissen

Manches gute Schlußdreieck hat die Liga Husum 18 gehabt. Es bildete in vielen Spielen das Rückgrat der Mannschaft. Längere Zeit, vor so 20 Jahren, hießen diese Mannen: Hugo Starken, Bernhard Nissen und Erich Wolf. Sie waren eisern, zuverlässig und bestens aufeinander eingespielt. Verschenkt wurde nichts!

Da war z.B. das Spiel Flensburg 08 gegen Husum 18 im Flensburger Stadion. Eisiges Winterwetter mit Schneesturm. Husum 18 spielte in der ersten Halbzeit mit Wind und Schnee, aber alle gut gemeinten Kombinationen wurden bei dem unmöglichen Wetter zunichte gemacht. Halbzeit 0:0. Nach dem Wechsel glaubten die Flensburger Kameraden, daß sie jetzt dran wären, den Sieg herauszuholen. Aber auch ihnen glückte nichts. Unsere Verteidiger kämpften wie die Löwen. Hugo Starken hielt fast unmögliche Bälle. Es wurde ein Kampfspiel beider Mannschaften, das schwerlich zu übertreffen war. Da, in der 89. Minute - Hugo Starken liegt angeschlagen am Boden - senkt sich der Ball, von einem Flensburger Stürmer geschossen, genau auf das leere Tor der Husumer. Aber instinktiv und mit äußerstem Einsatz saust Erich Wolf zum Kasten und erwischt den Ball in Linienhöhe. Durch gewandten Rückzieher befördert er ihn mit wuchtigem Schlag zurück ins Feld. Schlußpfiff, 0:0, und gegenseitig gratulieren sich beide Mannschaften zu diesem hervorragenden Kampf. Beide freuten sich über das gerechte Resultat. Wilhelm Breßler und Bernhard Petersen wußten in echt sportlicher Form beim gemütlichen Beisammensein die aufopfernde Leistungen beider Mannschaften zu würdigen, und beide betonten, daß es bedauerlich gewesen wäre, wenn gerade dieser Kampf zum Schluß noch ein anderes Ergebnis aufgewiesen hätte.


Herbert!

Herbert Koch hat dem Verein durch seine Bemühungen viele gute Spieler zugeführt und alles getan, um diese Kameraden in unserem Sportverein heimisch werden zu lassen.

Kurios war aber, daß Herbert einmal gleich 4 Arbeitsdienstlager für Husum 18 verpflichtet hatte, die auch alle auf den Namen Herbert hörten und zwar:

Herbert Seidemann,
Herbert Stadelmeyer,
Herbert Linnau,
Herbert Kolbe.

Es waren erstklassige Fußballspieler und beste Kameraden. Aber die Kanone war doch wohl Herbert Seidemann von Borussia Kiel mit seinem Bombenschuß. In einem Spiel gegen Rendsburg schoß er allein von zwölf Toren neun Tore. Das letzte Tor resultierte aus einem Elfmeter. Der Torwart ging in Schutzstellung und drehte dem Schützen in Abwehr den Rücken zu.

Nur einmal in einem Spiel gegen seinen Stammverein Borussia hatte Herbert Seidemann "einen schlechten Tag". Wer wollte es ihm verdenken? Ja, es waren prächtige Leute, diese fünf Herberts.


Walter Breuß

Wir hatten in der Liga einmal einen Torwart namens Walter Breuß aus Hamburg. Er war beim Arbeitsdienst in Ostenfeld. Da eines Sonntags sein Urlaub erst spät bewilligt wurde, mußten wir ihn holen. Es fand sich der Schlosser Maaß bereit, mit dem Motorrad nach Ostenfeld zu fahren und Walter Breuß mitzunehmen. Als der Fahrer sich nach geraumer Zeit umguckt, ist der Soziussitz leer und nichts von Walter zu sehen. Kamerad Maaß kehrt um und sieht den guten Mann in einer Kurve bei Ipernstedt langsam auf sich zukommen, Arme, Beine, Gesicht, alles vom Sturz zerschunden, aber zum Glück keine ernstlichen Verletzungen.

Und wir warten schon vor dem Handwerkerhaus auf das Eintreffen der beiden. Es wird nämlich Zeit, wir sollen noch mit dem Bus nach auswärts. Da kommt endlich das Motorrad in mäßiger Fahrt die Süderstraße herunter, und als ist nun bei uns ist, sehen und hören wir die Bescherung. Na, sowas war uns noch nicht passiert! Aber in solchen Situationen schalteten Bernhard und Herbert schnell. Walter wurde von oben bis unten verbunden, Ersatztorwart mit, und die Reise ging mit dem bandagierten Walter Breuß als Gast los.

Jahre nach dem Kriege war der gute Walter Breuß mit seiner Hamburger Mannschaft einmal zu einem Gast und Freundschaftßpiel in Husum. In Kameradschaft mit dem Hamburgern haben wir ein frohes Wiedersehen gefeiert, bei welchem unser Otto "Otti" Degenkolbe in Walter Breuß seinen ehemaligen Kriegskameraden wieder heil begrüßen konnte. Es gab viel zu erzählen. "Ja, und der Sturz damals mit dem Motorrad bei Ipernstedt, das war doch zum Lachen."

Hermann Lex
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1939

Husum 18 / Historisches

Aus den VereinsNachrichten vom 1. Juli 1979

Vor 40 Jahren

Wer kennt sie noch, die starke Abwehr des Jahres 1939? Links Erich Wolf, der jetzt in der DDR lebt und an unserem Jubiläumsball im Oktober letzten Jahres teilnahm. In der Mitte Hugo Starken und rechts Bernhard Nissen, der nach wie vor in Husum lebt und mit Erich Wolf immer noch in einem regen Briefwechsel steht.

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1939

Husum 18 / Historisches

aus der Festschrift vom 1. Juni 1968

Zwei unvergessene Männer

Hermann Lex berichtet von seiner Zeit bei Husum 18

Alfred (Eie) Wolf

geboren 24.07 1910 in Husum
gefallen 17.07 1944 in Rußland

Alfred "Eie" Wolf, wir kennen ihn alle, und die ihn nicht kennengelernt haben, denen sei sein Wirken bei Husum 18 hier aufgezeichnet.

Eie, so wurde er genannt. Aktiv spielte er in unserem Verein in der dritten Mannschaft, deren Spielführer er war. Auch in der zweiten Garnitur wirkte er mit. Er liebte den Sport um des Sports willen. Seine Hauptposition bekleidete er in seiner Eigenschaft als langjähriger erster Kassierer. Genau, exakt und so sauber wie er äußerlich sich zeigte, so war er auch in seinem inneren Wesen. Zu jedem Spiel der Liga fuhr er mit nach auswärts und paßte genau auf, daß sein Verein den rechten Anteil aus jedem Spiel ausgezahlt erhielt. Im Bezirk war er bestens bekannt, beliebt und geschätzt.

Bei jeder Fahrt nahm er sicherheitshalber seine blitzblank geputzten Fußballstiefel und seine schneidig gebügelte Kluft mit. Es konnte ja vorkommen, daß ein Spieler ausfiel, und Eie dann einspringen durfte. Das ist ganz, ganz selten vorgekommen. Dennoch hat er so oft seine Kluft ausleihen müssen und schmutzig wieder mit nach Hause gebracht. Als Schiedsrichter, im Vergnügungsausschuß, in der Jugendbetreuung, überall wirkte Alfred "Eie" Wolf für Husum 18. Den freiwilligen Sanitätern auf dem Sportplatz gab er aus seiner Privattasche dann und wann 5 Mark, er meinte, das hätten die wohl redlich verdient.

Nach jahrelangem erfolgreichen Wirken als Lehrling und junger Mann bei der Firma Momme Jürgensen pachtete er das Kolonialwarengeschäft von Klaus Warnsholdt in der Süderstraße. Hochzeit wurde gefeiert mit seinem lieben Lenchen aus Witzwort, paßten beide so schön zusammen. Und des Glückes war übergenug in dieser jungen Ehe.

Dann kam der unselige Krieg, der alles zerstören sollte, auch das kurze Glück dieser beiden jungen Menschenkinder. Die gute junge Frau Wolf starb an einer schweren Krankheit, und Alfred folgte ihr bald nach, er fiel für Deutschland und liegt im weiten Rußland begraben. Von seinem Todestage datiert seine letzte Karte an mich, und wir mußten feststellen, daß noch verschiedene andere Freunde, unter anderem auch unser unvergessener Otto Mißfeldt Post vom gleichen Tage von Alfred erhalten hatten. Wohl in Vorahnung seines Todes hat er noch vielen Kameraden ein letztes Lebenszeichen gegeben.

Es spricht für Alfred Wolfs Exaktheit, Liebe und Treue zu Husum 18, daß er bei seinem letzten Urlaub ein Testament über seinen Nachlaß gewissenhaft festgelegt hatte. Das wurde uns erst bekannt, als Bernhard Petersen nach Alfreds Heldentod zur Testamentseröffnung gerufen wurde. Der gute Eie hatte Husum 18 einen namhaften Betrag hinterlassen und auch andere Vereine und Personen bedacht.

Das war Alfred "Eie" Wolf! Das war stilles Heldentum!

Sein Geist soll und wird weiterleben in den Herzen der heranwachsenden Jugend unter der blau-weiß-roten Flagge von Husum 18, für die Alfred "Eie" Wolf gelebt und gehofft hat. Ihm nachzueifern und zu versuchen, es ihm gleichzutun, sei die vornehmste Aufgabe aller 18er in guten und in schlechten Tagen.


Hermann Mellage

Nun war es leider mal wieder soweit, daß die Liga von Husum 18, nachdem Hugo Starken zum Wehrdienst einberufen war, keinen rechten Torwart mehr hatte. Und jeder Sportler weiß, das ist ein beruhigendes Gefühl und eigentlich die Voraussetzung für ein unbefangenes freies Spiel der Mannschaft ist, wenn der "Kasten" gut behütet ist. Längere Zeit mußten wir uns schlecht und recht mit einem Ersatztorwart behelfen. Dann aber kamen eines Abends am Montag in die Spielausschußsitzung die Unteroffiziere Kemena und de Witt aufgeregt, ohne anzuklopfen, hereineingestürzt. "Herr Petersen, wir haben jetzt einen Klassetorwart, der ist heute als Rekrut bei uns eingezogen worden." Na, wenn man während der ganzen Jahre so viele schlechte Erfahrungen gemacht hat, von denen Bernhard Petersen bestimmt ein Lied singen konnte, so mußte man skeptisch sein. Aber in diesem Falle klappte es hundertprozentig, denn kein geringerer als Hermann Mellage, der zweimal als Torhüter bei Schalke 04 die deutsche Fußballmeisterschaft mit errungen hatte, war "freundlichst" aufgefordert worden, seine Rekrutenzeit bei der 8.E.M.A.A. in Husum abzuleisten. Von dieser Tatsache hat nach heutigem Ermessen eigentlich besonders Husum 18 Nutzen gehabt.

Herbert Koch hatte es eilig und stellte sich schon am anderen Tag beim zuständigen Sportoffizier vor. Am liebsten sollte und wollte auch Hermann Mellage schon am kommenden Sonntag spielen. Das ging aber beim besten Willen nicht. Aber für den darauffolgenden Sonntag bekam er die Genehmigung des sehr zugänglichen Sportoffiziers. Wir sollten nach Flensburg.

2 Ausbildungsoffiziere mußten sich befehlsmäßig besonders um den Rekruten Mellage kümmern, damit er sich als Soldat nicht vorbeibenahm. Wir gaben sofort unseren Sportfreunden in Flensburg telefonisch Bescheid, daß wir mit unserem neuen Torwart von Schalke 04 antreten würden. Diese Mitteilung erbrachte einen Rekordbesuch.

Wir fuhren mit der Bahn, und es klappte auch beinahe alles gut. Nur, wie die Mannschaft am Flensburger Bahnhof die Straßenbahn besteigt, auf der sich auch Marineoffiziere befinden, will es das Unglück, daß Hermann Mellage im Gedränge mit den großen Füßen nicht klarkommt. Ein Offizier schimpft wegen des unzureichenden Grußes von Hermann Mellage und sagt etwas wie: "Sie können mir meinetwegen auf die Füße treten, aber doch nicht auf die Stiefel." Da schaltete sich Herbert Koch auch schon ein und brachte als alte Kompaniemutter alles in Ordnung, und während wir uns mit Hermann Mellage in den Anhänger schoben, hörten wir nur noch, wie der Offizier und Herbert beide schrecklich lachten. Wir gewannen in Flensburg 2:0.

So waren wir erst einmal hinsichtlich des Torwarts auf einige Monate gesichert, es gab fast nur Plustore, selten Minustore. Hermann Mellage stand auf der 16-Meter-Linie und dirigierte von dort das Spielgeschehen. Er konnte die Bälle über das ganze Spielfeld wuchten, sein Zuspiel war haarscharf auf Läufer und Stürmer abgezirkelt. Auf Kameradschaftsabenden hat er uns seine Fotos aus dem großen Spielen gezeigt und uns dazu vieles Interessante aus seiner Laufbahn zu erzählen gewußt.

Bevor Hermann Mellage von Husum ins Feld rückte, war er noch einmal in unserem Kreise in dem auch ihm lieb gewordenen Vereinslokal Handwerkerhaus bei Markus Nehlsen, um Abschied zu nehmen. Bescheiden und ruhig wie er war, dankte er Bernhard Petersen für die freundliche Aufnahme, die er hier gefunden hatte. Er hätte es nicht geglaubt, daß in einem für ihn so kleinen Verein eine derartige Begeisterung und treue Zusammengehörigkeit der Gemeinschaft eine solche Stütze war.

"Hermann Mellage, wo immer du auch sein magst, möge es dir wohlergehen!"


Hermann Lex
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1939

Die Kriegsjahre

 

 

Ein königsblauer Rückhalt zwischen den Husumer Pfosten

Während der Kriegsjahre wurden viele Spieler der 1. Mannschaft zum Wehrdienst eingezogen. So musste sich auch Husum 18 mit einem Ersatztorwart behelfen. Aber der Verein hatte großes Glück, denn es wurde ein ganz besonderer Rekrut in Husum eingezogen, der für eine Zeitlang die Vakanz zwischen den Pfosten schließen sollte: Kein Geringerer als Hermann Mellage (*10. Dezember 1906), der 1934 und 1935 mit Schalke 04 die Deutsche Meisterschaft errungen hatte! Der Schlussmann »mit den langen Armen und kraftvoll zupackenden Händen«, den »eine wohltuend ausstrahlende Ruhe auf den Abwehrverband« auszeichnete, war »freundlichst« aufgefordert worden, seine Rekrutenzeit hier in Husum abzuleisten.
Von dieser Tatsache hat nach heutigem Ermessen eigentlich besonders Husum 18 profitiert. Schon beim nächsten Spiel in Flensburg stand der Husumer »Knappe« im Tor und sorgte für einen Rekordbesuch in der Fördestadt. Das Spiel entschieden die Husumer mit 2:0 für sich.
Im damaligen Vereinsheim, dem Handwerkerhaus, zeigte der gebürtige Münsteraner seine Fotos aus den großen Spielen auf Schalke, als er Teil des »Schalker Meister-Kreisels« war.
Bevor er von Husum aus ins Feld rückte, dankte er beim Abschied dem Vorsitzenden Bernhard Petersen für die freundliche Aufnahme, die er hier gefunden habe. Er hätte nicht geglaubt, dass er in einem für ihn so kleinen Verein eine derartige Begeisterung, eine solch treue Zusammengehörigkeit und ein so starkes Gemeinschaftsgefühl finden und spüren würde. Das alles sei für ihn eine große Stütze gewesen.
Quelle: Dieter Schladetzky
Der gelernte Elektriker Hermann Mellage heuerte später beim SSV Wuppertal an. Er wurde dort Angestellter bei der Stadt und arbeitete nach seiner aktiven Laufbahn als Trainer bei Germania Wuppertal.

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1939

Husum 18 / Fußball

Aus den Vereinsnachrichten vom
1. November 1959

Was sagen mir meine Vereinsnadeln?

Wenn ich allssonntäglich oder jetzt auch sehr oft am Sonnabend meine Schritte nach dem Fußballplatz lenke, dann begegnen mir auf den Plätzen der Oberliga-Vereine all die Steppkes und größeren Schüler mit ihren Autogrammsammelheften. Sie passen scharf auf, wenn wieder ein Oberligist zum Umkleidelokal geht. Schnell flitzen sie hin und bitten um seine Unterschrift. Die Photos der Spieler haben sie schon vorher aus Sportzeitungen ausgeschnitten und fein säuberlich eingeklebt, und als Krönung für jedes Photo die Original-Unterschrift. Freudestrahlend, wenn wieder ein weiterer Spieler unterzeichnete, kommen sie zu ihren Kameraden zurück.

Am 19. September hörte ich auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn in Bahrenfeld anläßlich des Punktspiels Altona 93 - HSV (1:1): "Bernd, ich habe eben die Unterschrift von Uwe Seeler, von Horst Schnorr und Jochen Meinke (HSV) und von Werner Erb und Heiko Kurth (Altona) erhalten." Dann zeigen sie untereinander ihre Hefte, und die Seelen sind überglücklich. Sie haben ihre Stars zu Buch. Und wenn sie nun nach 50 Jahren diese Hefte noch einmal sehen, dann werden Erinnerungen wach an schöne Fußballerlebnisse einer fernen Vergangenheit. Dann sehen sie ihre derzeitigen Idole in Spielen gegen Real Madrid, Budapest, Manchester United, gegen Schalke 04 und so fort.

Und so sprechen heute zu mir meine Fußball-Vereinsnadeln: Die Nadel vom 1. FC Nürnberg, die ich derzeit von Hans 'Bumbes' Schmidt, dem internationalen Cluberer, erhielt. Ich sah den über drei Stunden dauernden Kampf um die Deutsche Meisterschaft [1922] zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem HSV Hamburg - Schiedsrichter Dr. Peco Bauwens, Köln - im alten Grunewaldstadion in Berlin, das Unentschieden endete und in Leipzig - wieder unentschieden - wiederholt wurde, sah Nürnbergs weiteres späteres Endspiel gegen HSV in Berlin, das Nürnberg 2:0 gewann. Unvergeßliche Zweikämpfe Tull Harder (Hamburg) - Hans Kalb (Nürnberg). Beide deckt lange der grüne Rasen, auf dem sie Hunderttausende zu Lebzeiten durch großes Können begeisterten. Ich sah den 1. FC Nürnberg als knappen Sieger gegen die sympathischen Eimsbütteler bei ihrer Tribüneneinweihung [am 1. August 1920].

Die Nadel von Schalke 04 zeigt mir noch das Erlebnis des Berliner Endspiels Schalke gegen Admira Wien [am 18. Juni 1939]. Der Schalker Kreisel lief auf höchsten Touren und Admira gegen wurde 9:0 besiegt. Fritz Szepan und Ernst Kuzorra brillanten. Dann das Endspiel Schalke - Rapid Wien [am 22. Juni 1941]: Schalke lag mit drei Toren in Führung und wurde dann doch noch durch die Bombentore von Franz "Bimbo" Binder besiegt. Außer mir waren die liebe 18er Zeugen bei diesem Endspiel in Berlin, und zwar unser verstorbener Ehrenvorsitzender Heinrich "Hein" Matthiesen - Hermann Bahnsen- Eduard "Ede" Schiller- Max "Magge" Sönnichsen und Heinrich Arriens.

Aber nicht nur die Nadeln der Deutschen Meister sprechen mich an, sondern auch meinen Nadeln der Vereine: Preußen Itzehoe, FFC und Eintracht Flensburg FC Hadersleben, Tonder Boldclub und Sonderburg, Bronshoj Kopenhagen, Linham Schweden, ferner Holstein Kiel, Comet Kiel, Brunswick, Heide, Schleswig 06 und Kellinghusen.

Ich werde später einmal dazu schreiben. Einstweilen grüße ich alle unsere 18er in heimatlicher Verbundenheit, wünsche meinem Freund Karl Etteldorf nach schönen Anfangserfolgen weiterhin mit unserer Liga und bei fleißigem Training einmal wieder Meisterschafsehren für die erste Mannschaft.

Euer Ehrenmitglied

Bernhard Petersen

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zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 29.07.2020 23:09

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