Das geschah in den 1940er Jahren

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zuletzt aktualisiert am: Samstag, 19.01.2019 14:09

1940

Husum 18 / Faustball

Aus den VereinsNachrichten vom 1. Juni 1957

Husum 18 wird Landesmeister

Anläßlich des Todes von Broder Mommsen, Petersburg, blickte der Sommerspiel-Obmann Johannes Flach auf die Zeit seiner Sparte vor dem Krieg zurück:

"... Energie und Kraft einzusetzen verstand er schon als junger Mann in seinen Sportkämpfen, die er als bekannter Fünfkämpfer und Faustballspieler aus Lindholm bestand. Er war es, der in unserem Bezirk dem Spiel die Härte gab, und es zu einem Kampfspiel werden ließ. Nachdem er die Gaststätte Petersburg übernahm, schloß er sich unserer Gruppe an, und sein Verdienst war es, daß wir 1940 in der ersten Altersklasse für die Farben 18's auf Anhieb die Landesmeisterschaft im Faustball erringen konnten, denn durch sein Können, seinen Kampfgeist und seine Ruhe gelang uns der Sieg. ..."

Johannes Flach
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1941

Husum 18 / Fußball

Aus den Vereinsnachrichten vom
1. November 1959

Was sagen mir meine Vereinsnadeln?

Wenn ich allssonntäglich oder jetzt auch sehr oft am Sonnabend meine Schritte nach dem Fußballplatz lenke, dann begegnen mir auf den Plätzen der Oberliga-Vereine all die Steppkes und größeren Schüler mit ihren Autogrammsammelheften. Sie passen scharf auf, wenn wieder ein Oberligist zum Umkleidelokal geht. Schnell flitzen sie hin und bitten um seine Unterschrift. Die Photos der Spieler haben sie schon vorher aus Sportzeitungen ausgeschnitten und fein säuberlich eingeklebt, und als Krönung für jedes Photo die Original-Unterschrift. Freudestrahlend, wenn wieder ein weiterer Spieler unterzeichnete, kommen sie zu ihren Kameraden zurück.

Am 19. September hörte ich auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn in Bahrenfeld anläßlich des Punktspiels Altona 93 - HSV (1:1): "Bernd, ich habe eben die Unterschrift von Uwe Seeler, von Horst Schnorr und Jochen Meinke (HSV) und von Werner Erb und Heiko Kurth (Altona) erhalten." Dann zeigen sie untereinander ihre Hefte, und die Seelen sind überglücklich. Sie haben ihre Stars zu Buch. Und wenn sie nun nach 50 Jahren diese Hefte noch einmal sehen, dann werden Erinnerungen wach an schöne Fußballerlebnisse einer fernen Vergangenheit. Dann sehen sie ihre derzeitigen Idole in Spielen gegen Real Madrid, Budapest, Manchester United, gegen Schalke 04 und so fort.

Und so sprechen heute zu mir meine Fußball-Vereinsnadeln: Die Nadel vom 1. FC Nürnberg, die ich derzeit von Hans 'Bumbes' Schmidt, dem internationalen Cluberer, erhielt. Ich sah den über drei Stunden dauernden Kampf um die Deutsche Meisterschaft [1922] zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem HSV Hamburg - Schiedsrichter Dr. Peco Bauwens, Köln - im alten Grunewaldstadion in Berlin, das Unentschieden endete und in Leipzig - wieder unentschieden - wiederholt wurde, sah Nürnbergs weiteres späteres Endspiel gegen HSV in Berlin, das Nürnberg 2:0 gewann. Unvergeßliche Zweikämpfe Tull Harder (Hamburg) - Hans Kalb (Nürnberg). Beide deckt lange der grüne Rasen, auf dem sie Hunderttausende zu Lebzeiten durch großes Können begeisterten. Ich sah den 1. FC Nürnberg als knappen Sieger gegen die sympathischen Eimsbütteler bei ihrer Tribüneneinweihung [am 1. August 1920].

Die Nadel von Schalke 04 zeigt mir noch das Erlebnis des Berliner Endspiels Schalke gegen Admira Wien [am 18. Juni 1939]. Der Schalker Kreisel lief auf höchsten Touren und Admira gegen wurde 9:0 besiegt. Fritz Szepan und Ernst Kuzorra brillanten. Dann das Endspiel Schalke - Rapid Wien [am 22. Juni 1941]: Schalke lag mit drei Toren in Führung und wurde dann doch noch durch die Bombentore von Franz "Bimbo" Binder besiegt. Außer mir waren die liebe 18er Zeugen bei diesem Endspiel in Berlin, und zwar unser verstorbener Ehrenvorsitzender Heinrich "Hein" Matthiesen - Hermann Bahnsen- Eduard "Ede" Schiller- Max "Magge" Sönnichsen und Heinrich Arriens.

Aber nicht nur die Nadeln der Deutschen Meister sprechen mich an, sondern auch meinen Nadeln der Vereine: Preußen Itzehoe, FFC und Eintracht Flensburg FC Hadersleben, Tonder Boldclub und Sonderburg, Bronshoj Kopenhagen, Linham Schweden, ferner Holstein Kiel, Comet Kiel, Brunswick, Heide, Schleswig 06 und Kellinghusen.

Ich werde später einmal dazu schreiben. Einstweilen grüße ich alle unsere 18er in heimatlicher Verbundenheit, wünsche meinem Freund Karl Etteldorf nach schönen Anfangserfolgen weiterhin mit unserer Liga und bei fleißigem Training einmal wieder Meisterschafsehren für die erste Mannschaft.

Euer Ehrenmitglied

Bernhard Petersen

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1943

Husum 18 / Historisches

aus der Festschrift vom 1. Juni 1968

Aus vergangenen Tagen

Im Hinblick auf unser 50-jähriges Jubiläum wird es interessieren, in welchem Rahmen das 25. Stiftungsfest stattfand. Darüber hieß es:

"Der Husumer Fußballverein von 1918 hielt Anfang Dezember 1943 im festlich geschmückten Handwerker-Vereinshaus eine interne Erinnerungsfeier anläßlich seines 25-jährigen Bestehens ab. Der Gründer des Vereins, Bernhard Petersen, begrüßte die Gäste, und gab einen Rückblick auf die Entwicklung des Vereins. Weiter verlas er eine Anzahl Glückwunschschreiben von Sportkameraden und -freunden in der Heimat und im Felde.

Kreissportwart Wilhelm Breßler, Flensburg, war selbst nach Husum gekommen, um in einer warmherzig-kameradschaftlichen Ansprache den Jubiliaren des Verein in alter freundschaftlicher Verbundenheit die Grüße der Sportstaffel Ost und des Brudervereins Flensburg 08 zu überbringen. Dem in Sportkreisen wohlbekannten, unermüdlich für den Verein tätigen Kameraden Wilhelm "Willi" Jürgens wurde die silberne Ehrennadel überreicht.

Ein hübsches und mannigfaltiges Programm war für den Abend zusammengestellt. Voll und ganz seiner Bedeutung angepaßt waren eine Schmalfilmvorführung und ein Vortrag des Sportkameraden Hermann Lex. Der Schmalfilm zeigte uns Bilder aus der Vergangenheit des Vereins und seiner beiden Vorgänger, die bis 1906 zurückgingen. Eine zum Teil schon fast verschollene Welt tauchte da vor uns auf: Bekannte Fußballspieler, die damals fast noch Knaben waren und heute schon Enkel zur Ausübung des Sports schicken, andere, die schon im ersten Weltkrieg gefallen oder nach seinem traurigen Abschluß nach Amerika ausgewandert sind, und wieder andere, die, nicht wenige im feldgrauen Rock, selbst gekommen waren, um den Tag mitzufeiern oder auch aus dem Felde schriftlich ihre Anhänglichkeit bekundeten.

Sportkamerad Hermann Lex rief in humorvollen Ausführungen an der Hand eigener Erinnerungen ein Stückchen Husumer Jugendzeit aus den Tagen des unvergessenen sportfreundlichen Rektors Möller in das Licht des Tages zurück.

Hervorragend trug zur Ausgestaltung des Programms auch der Rekordmeister Wilhelm Breßler, Flensburg, bei, der sich ebenso famos als packender Erzähler sportlicher Erlebnisse wie als "Kunstpfeifer" erwies. Im übrigen lag auch der musikalische Teil des Abends bei Mitgliedern der Akkordeongruppe Heidrich und zwei Militärmusikern in guten Händen. Alle Mitwirkenden ernteten wohlverdienten Beifall.

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1945

Frisia Husum

aus dem StadionEcho vom
4. November 2006

 

100 JAHRE FUSSBALL IN HUSUM (TEIL 6)

Aus der Gründerzeit bis hin zur Gegenwart

Über "Unitas" (1906) – "Allemannia" (1910) – "Husum 18" (1918) – Frisia Husum" (1925) zur "Husumer Sportvereinigung" (1994)

aufgeschrieben von Dieter Schladetzky
 

Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus im Mai 1945 begann die

zweite Ära von Frisia Husum.

Allerdings nicht sofort. Eigentlich waren Sport- und Vereinsleben von den Besatzungsmächten verboten worden, doch im Juli 1945 erhielten einige junge Arbeitsdienstler auf Vermittlung ihres letzten Gruppenführers Karl Carstens (Noske) von der Militärregierung die Genehmigung zu einem Freundschaftsspiel gegen eine Lettenauswahl. Es war das erste Spiel einer deutschen Mannschaft nach dem Kriege in Husum. Es ging übrigens 1:7 verloren.

Diese Arbeitsdienstler, unter ihnen der spätere 1. Vorsitzende Lothar "Muschi" Muschinski und Leute aus dem Osten Deutschlands, gründeten dann mit einigen jungen Husumern einen Verein. Sie nannten ihn Schwarz-Weiß Husum. Der Name war ganz pragmatisch gewählt, denn man hatte aus der Tätigkeit beim Reichsarbeitsdienst noch eine schwarze Turnhose und ein weißes Sporthemd.

Mit der Entlassungswelle aus der Wehrmacht kehrten auch alte Frisianer heim. Als sie hörten, da├č sich ein neuer Club gegründet hatte, wurden sie sofort aktiv. Reinhold Schacke, der leider viel zu früh verstarb, ergriff die Initiative und vereinigte 1946 "Schwarz-Weiß" mit den ehemaligen Frisianern. Man einigte sich schnell darauf, fortan wieder den Vereinsnamen Frisia Husum zu verwenden.

Reinhold Schacke führte Frisia zu alter Größe, wurde zum Motor des Vereins in der Nachkriegszeit. Unter ihm entstand die berühmte "Blau-Gelbe Nacht", und er war es auch, der Frisia wieder zu einem eigenen Sportplatz am Marienhofweg verhalf.

Eine weitere Phase des Aufbaus und des Erfolges erlebte Frisia dann unter der Leitung des langjährigen 1. Vorsitzenden und späteren Ehrenvorsitzenden Albert Bremer. Er integrierte den Verein wieder in den Verband der deutschen Eisenbahn-Sportvereine und war Initiator zum Bau des Friesenstadions, wo der Club seine endgültige sportliche Heimat fand. Unter seiner Führung wurde aus einem reinen Fußballverein ein Sportverein mit fünf Abteilungen.

Nachfolger von Albert Bremer wurde Lothar "Muschi" Muschinski, der sich ebenfalls große Verdienste erworben hat. Hierbei sei besonders der Bau des Sportlerheimes erwähnt. Auch der kürzlich verstorbene Hans-Friedrich "Fiede" Nielsen war daran maßgeblich beteiligt.

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1945

Husum 18 / 50 Jahre

aus der Festschrift vom 1. Juni 1968

Aus vergangenen Tagen

Nach dem Kriege fanden sich sofort wieder Männer bereit, den Sportbetrieb in Gang zu bringen. Bald rollte der Fußball wieder, und Husum 18 gelang schon nach kurzer Zeit der Aufstieg in die Landesliga Schleswig-Holsteins. Zu dieser Zeit erlebte der "Marienhof" wohl mit eine seiner größten Zeiten. Es wurden große Freundschaftsspiele ausgetragen: Eimsbüttel Hamburg (Oberliga), der Harburger Turnerbund, der Bonner SC, Erle 08, Holstein Kiel, um nur einige der großen Gegner zu nennen, waren Gäste, die den Fußballsport in Husum attraktiv machten. Viele Mannschaften wurden in der "schlechten Zeit" mit Naturalien gehandelt. So mancher Sack Kartoffeln, so mancher Schinken wanderte in den Kofferraum des Gästebusses.

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1946

Husum 18

10. Juli

 

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1946

Husum 18

19. Juli

 

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1946ff

Husum 18 / Historisches

Aus den Vereinsnachrichten vom 1. Juli 1979

Die 18er Ib-Mannschaft 1948/49

"Jupp" Rückert - "Buba" Schmidt - Dr. Karl Pilz - Hugo Emm - Johannes "Hanne" Wulff - Georg "Schorsch" Jessen - BetreuerEduard Schiller / August "Aue" Carstens - Helmut Huß - Ernst "Jupp" SchönfeldConrad "Conny" Mader - Karl Nehlsen - Heinrich "Hein" Knviczors


Domuls bis Achtein

von Jupp Schönfeld

Ich habe während des Krieges auch den Kontakt, den Ereignissen entsprechend, zum Verein verloren. Einmal bekam ich allerdings einen sehr feinen Brief des ehemaligen Ligaobmanns Hermann Lex; ich habe mich über diesen Gruß aus der Heimat sehr gefreut. In seiner freien, humorvollen Art hat Hermann Lex mir Mut und Zuversicht gegeben. Vor allem freute ich mich aber darüber, daß er mir überhaupt geschrieben hatte, daß er auch an mich gedacht hatte, denn ich war ja als 18er bisher nur ein Jugendspieler gewesen.

Mit 18 Jahren wurde ich Soldat. In dieser Zeit bei der Marine habe ich während der Ausbildungszeit immer die stille Hoffnung gehabt, doch mal als Soldat mit der Marine-Elf (ich spielte unter anderem damals in der Mannschaft der Torpedo-Schule Flensburg-Mürwik) als Gastmannschaft auf dem Marienhof zu spielen. Denn Husum 18 pflegte ja vor dem Kriege gute Kontakte gerade zu Marine-Mannschaften aus Kiel, Flensburg und Eckernförde. Doch auch das blieb nur ein Wunsch, und am Lehrgangsende ging es dann wieder "anderswohin". So gibt es über diese sonst so "ereignisreiche" Zeit auch wenig zu berichten im Zusammenhang mit dem Verein.

Nach dem Kriege allerdings stellte sich einmal mehr heraus, daß ich ganz in der Nähe eines alten verdienten 18er stationiert gewesen war, nur ein paar Kilometer voneinander entfernt, oben im Polargebiet. Es war der für mich unvergessene Karl "Kalli" Schladetzky. Schade, daß wir nichts voneinander wußten, da wäre sicher öfters einer "gezwitschert" worden. 1946 kamen wir beide darauf und haben es natürlich sehr bedauert.

So kann ich überleiten auf die Nachkriegszeit, eine Zeit, die man den Jüngeren gar nicht glaubhaft erklären kann, so komisch, so trostlos und turbulent waren diese Jahre. Doch das Leben und mit ihm der Sport ging weiter. Und wie, unvergessen! Im Sommer 1946 meldete ich mich wieder bei meinem Verein. Viele, ach so viele "Alte" fehlten, doch neue Namen tauchten auf. Spieler, die der Krieg in die Husumer Ecke verschlagen hatte. Arthur Grabert - Walter Dunse - Lothar "Muschi" Muschinski und andere, es waren feine Spieler dabei. Ich war damals in der Reserve.

Folgende Spieler waren zu dieser Zeit in der Reserve und 1b-Mannschaft:

Bernhard Zylonka   Stein   "Jüchche"
Leo Wugazza   Johannes Feddersen   "Heie" Matthiesen
"Dr." Musiol   Ferdin   Ferdinand Jensen
Arthur "Adde" Ebsen   Fred Edsen   Peter Cornils
Arthur Thomsen   Broder Nissen   Helmut Gudat
Harald Otto   Arthur "Adde" Brauer   Günther Marxen
Heinz Heisenberg   Günther Präger   Wilhelm "Willy" Grabowski
Egon Bracker   Conrad "Conny" Mader   Backhaus
Adolf Stephan   Heinz "Micha" Philipp   Johannes "Hanne" Wulff
Dr. Karl Pilz   August "Aue" Carstens   "Mieze" Stapelfeldt
Walter Lockenwitz   Karl Nehlsen    
         

Vielleicht habe ich noch ein paar vergessen, doch einige waren sogenannte "Allround Spieler", die in den Jahren nach dem Krieg mal in dieser, mal in jener Mannschaft spielen mußten, öfters so in der ersten Mannschaft mit

Hugo Starken   Kurt Schmidt   Matthias Schmidt
Helmuth Huß   Felix Nowack   Günther "Didi" Herrmann
Kurt Klose   Günter Hentzschel   Herbert Möbius
Artur Grabert   Walter Dunse   Lothar "Muschi" Muschinski
Hans Hansen   Hans Kissner   dem blonden "Letten"
Max "Magge" Sönnichsen   Bernhard Nissen    
         

Wer erinnert sich von den Ô¤£┬älteren nicht an die ersten große Kämpfe gegen Niebüll, Bredstedt und andere, wo Max "Magge Sönn" Sönnichsen mit dem blonden "Letten" wunderbare Tore schoß? Wer erinnert sich nicht an die Fahrten der 1b und Reservemannschaften, oft mit zwei Mann auf einem Fahrrad nach Rantrum oder Hattstedt. Dörfer, die vor dem Kriege vom Fußball nichts wußten, hatten nun durch Heimatvertriebene und Leute, die nicht in die Sowjetzone wollten, tadellose Mannschaften. Gegner im Umkreis gab es gerade genug, doch Ernst Gosch als Spielausschußobmann raufte sich oft die Haare und rief: "Wie sollen wir das Ding denn biegen, wir können doch keinen Wagen kriegen!"

Ja, es war eine turbulente Zeit damals. Viele hatten keine Arbeit, das Geld hatte keinen Wert, es gab wenig "Kalorien", keine Zigaretten, man hatte keine Fahrgelegenheiten, es fehlte einfach an allem. Ich kann mich erinnern, wie es z.B. an dem wichtigsten für uns damals fehlte. Das waren gute Fußballschuhe. Ich bekam eine Zeitlang immer die Schuhe von einem Jugendspieler - er hieß Lehmann - geliehen. Nachdem er morgens damit gespielt hatte, holte ich sie mir mittags, schnell wurden die Kickstiefel mit Spucke geputzt (Schuhcreme gab's nicht), dann spielte ich damit, aber zehn Minuten vor Spielende der Reserve mußte ich schnell raus, und anschließend auf Socken weiterspielen, denn dann kriegte Walter Dunse die Stiefel zum Spiel der ersten Mannschaft. Ein paar Schuhe für drei Mann, es war zum Lachen, hatte aber auch sein Gutes. Wenn ich mal schlecht spielte, lag es gewiß nicht an den Schuhen, denn Walter Dunse spielte immer gut damit.

Und noch eine kleine Geschichte jener Zeit fällt mir ein. Im November 1946 wollten wir einen Kameradschaftsabend starten, doch es fehlte uns an richtigen Getränken, vom "Dünnbier" mußte man nur laufen: ein Schluck - zweimal laufen. Aber in dieser schweren Zeit wurde jedes Problem gemeistert. "Rübenschnaps" hieß das Stichwort, und wir hatten da einige "Spezialisten". (Ganze Völkerstämme kannten sich damals auf den Gebieten "Siedlerstolz", das war der Tabakanbau, und "Schnapsbrennerei" aus.) Irgendwo in Osterhusum ging die Sache dann über die Bühne, Einzelheiten möchte ich mir hier ersparen, doch sind wir nicht blind geworden, es war also kein Methylalkohol, sondern ein Saft, der uns schwer in Schwung brachte. Im Handwerkerhaus wurde er dann verkonsumiert, pro Pärchen eine Flasche. Es war einer meiner schönsten Abende, wir waren damals so ca 25 Paare, und ich hatte eine sogenannte Bierzeitung "Es leuchten die Sterne der 1b und der Reserve" verfaßt und mit viel Hallo vorgetragen.

Vielleicht sind diese sonst so finsteren Jahre deshalb so gut in Erinnerung, weil wir alle gemeinsam durch diese Zeit als eine "Gemeinschaft der Not" hindurchmußten. Vielleicht ist darum der Spaß und der Humor gerade aus dieser Zeit so nachhaltig.

├£ber diese Zeit mit ihren Vorkommnissen könnte man ganze Bücher schreiben. Jedoch auch das stabilisierte sich wieder, und es kamen wieder gute 18er Jahre, die erste Mannschaft stieg in die damalige Landesliga auf. Ich spielte dann in der 1b, in dieser Mannschaft herrschte seinerzeit ein toller Geist, wir spielten damals mit Karl Nehlsen im Tor, Conrad "Conny" Mader und Heinrich "Hein" Knviczors als Verteidiger, als Läufer spielten außer mir noch Helmuth Huß - August "Aue" Carstens - Egon Bracker und Günter Marxen, und im Sturm meistens Heinz "Micha" Philipp - Hugo Emm - Johannes "Hanne" Wulff - Dr. Karl Pilz - "Buba" Schmidt - Georg "Schorsch" Jessen und Harald Otto. Als Betreuer fungierten Eduard "Ede" Schiller sowie Jupp Rückert.

Wir spielten gegen Tönning, Friedrichstadt, Leck, Rantrum, Süderbrarup, Sterup, Bredstedt, Westerland und Wyk auf Föhr und andere gute Gegner. Wir hatten nur ein Handicap: Wir spielten immer außer Konkurrenz, das heißt wir konnten nicht aufsteigen. Junge, Junge war das ein Elan damals, so mancher Gegner wurde deklassiert, die 1b war seinerzeit berühmt und von den Zuschauern bewundert.

Leider, und das konnten wir damals nicht einsehen, wurde unsere Mannschaft immer wieder zerrissen, denn immer wieder mußte der eine oder andere in der Ersten spielen. Meistens waren das Heinz "Micha" Philipp - "Buba" Schmidt - Helmuth Huß - Johannes "Hanne" Wulff oder unser Dr. Karl Pilz.

Eigenartigerweise wollte aber jeder lieber in der 1b bleiben, da war es aber auch zu schön. Ich kann mich noch an ein Freundschaftsspiel in Nordhastedt erinnern. Wir hatten kein Erinnerungsgeschenk und auch keinen Wimpel - was also tun? Ich fuhr schnell nach Hause und nahm einen schönen gläsernen Wandteller mit dem blau-weiß-roten 18er-Emblem von der Wand (Hermann Bahnsen und Hans "Hansi" Schöning hatten es mir in der schlechten Zeit mal wegen "Vereinseifer" geschenkt), und so konnte dem Obmann in Nordhastedt vor Spielbeginn eine schöne Gabe überreicht werden. Wir verloren zwar das Spiel, doch das anschließende gemütliche Beisammensein war so, daß die blonde Wirtin gar nicht mit dem Einschenken der Eierliköre fertig wurde, so daß Johannes "Hanne" Wulff mit hinter die Theke und "helfen" mußte. Junge, das gab aber dann strichvolle Gläser.

Die 18er Reservemannschaft nach ihrem Spiel in Nordhastedt 1949: Es gab tüchtig Eierlikör.


Wir waren aber auch wochentags eng miteinander verbunden, bei Tedje Lademann im Tabakladen oder am "18-Kasten" vor den Husumer Nachrichten oder bei "Ule" (Waldemar Lange), immer wurde alles durchdiskutiert. Einer stand für den anderen ein. Ich war oft arbeitslos damals, als Maler pinselte ich dann mal bei dem oder dem, einmal war ich dann auch bei unserem Dr. Karl Pilz oben in der Osterhusumer Meierei, dafür bohrte Dr. Karl Pilz mir dann mit seiner Fußmühle in den Zähnen herum, er war ja arbeitsloser Zahnarzt.

Dr. Karl Pilz auch unvergessen mit seinem Kölner Dialekt. Da spielten wir mal in Westerland, und die hatten in ihrer Elf zwei oder drei Engländer. Der eine dieser Tommys schlug dem Karl laufend in die Knochen, entschuldigte sich aber anschließend immer gleich wieder "fair-play-mäßig" mit einem "sorry". Aber mit der Zeit wurde es unserem auch nicht gerade "sanften" Karl doch zu bunt, und er rief: "Dir gebe ich jetzt gleich 'sorry'." Bald darauf mußte der gute Engländer dann behandelt werden. Karl meinte nur: "So, dem habe ich jetzt sein 'sorry' gegeben."

Ich habe Karl oft besucht damals und seine Elsa. Doch das hatte immer einen Haken, denn der Molkereibesitzer hatte zwei große Boxerhunde, einer war gelb, der andere tigergestreift. Und die lagen dann immer im Treppenhaus vor der Tür im ersten Stock. (Wird fortgesetzt)

 

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1946

Husum 18 / Historisches

Aus den Vereinsnachrichten von Juni/Juli 1980

Domuls bis Achtein

von Jupp Schönfeld

In meinem Fortsetzungsbericht sprach ich mal die jungen Mitglieder an, wie schwer es doch ist, die turbulenten, trostlosen und teilweise auch lustigen Nachkriegszeiten zu schildern. Diese Geschichte soll nun von einer lustigen Begebenheit erz├Ąhlen.

Die ├Ąlteren Mitglieder und Sportfreunde werden sich noch gut erinnern, da gab es damals im alten gem├╝tlichen Husum das Altdeutsche Haus, der Besitzer und Wirt war Waldemar Lange senior, sp├Ąter zu unserer Zeit war dann Sohn "Ule" der humorvolle Wirt. Beide, soviel ich wei├č, begeisterte Fu├čballanh├Ąnger. Wie ich nun vor kurzem mal in alten Vereinsnachrichten bl├Ątterte, las ich unter November-Geburtstagskinder "Waldemar Lange 72 Jahre". Ich erinnerte mich ich an "Ule" und all die lustigen Stunden, die wir alten 18er bei ihm verbrachten. Diese Geschichte ist nun wirklich kein "D├╝ntje", hat sich also tats├Ąchlich so zugetragen.

Es war im trostlosen Sommer 1946, es gab nichts, aber auch gar nichts. Viele von uns Ib- und Reserve-Spielern waren arbeitslos, mu├čten sehen, wie wir uns durchschlugen und die Zeit herumbrachten. Es war die gro├če Zeit vom "Siedlerstolz" (jeder baute sich seinen Tabak selber an und jeder hatte sein eigenes Rezept, denselben pfeifengerecht schmackhaft zu machen). Es gab "Spezialisten", die einen vorz├╝glichen "R├╝ben- oder Zuckerschnaps" brannten. Wir gingen zum Torfstechen und Stubbenroden. Aber wie oft mu├čten wir die Zeit "totschlagen", dann trafen wir uns beim "18er Kasten" an den Husumer Nachrichten, es wurde ├╝ber das letzte Spiel diskutiert oder ├╝ber das kommende, denn Fu├čball war damals schon "die sch├Ânste Nebens├Ąchlichkeit" der Welt - oder vielleicht "damals" erst recht, na, und anschlie├člich ging "dat r├Âwwer na "Ule". Hier droschen wir dann stundenlang Skat, "schmauchten" unseren "Siedlerstolz" (denn wer hatte schon "Aktive", das waren damals echte Zigaretten) und "Ule" kredenzte uns dann mit Witz, Schalk und Humor das damalige "nullprozentige" D├╝nnbier: ein Schluck = zweimal laufen. Alles, aber auch alles war damals Ersatz, war Verlegenheit und Ironie, nur eines, das ist sicher vielen, so wie mir, erst sp├Ąter richtig bewu├čt geworden: der Spa├č, der Humor, der war so echt und so nachhaltig - sicher, weil er uns als eine "Notgemeinschaft" ├╝ber Wasser hielt. Das Schlechte hat man vergessen oder verdr├Ąngt, der Spa├č aber und der Humor, die haben sich bis heute erhalten und sei es nur in Erinnerungen.

So sa├čen wir also wieder mal fr├Âhlich zusammen an jenem besagten Nachmittag, spielten unseren Skat und tranken dazu das besagte D├╝nnbier. Wi w├Ąrn lusti, Ule w├Ąr sposi un mokte mol w├Ąr sin T├Â├Âch; bums ginn dee D├Âr op, un twe Burn kemen rin. Wi harrn son Stimmung, dat man meenen kunn, dat wi schon bannig veel Promill harrn, owwer dat geef dat je domuls gornich. Sie setzten sich dann an den Nebentisch und bestellten sich auch zwei Helle; wie es nun der Zufall wollte, hat einer von uns "Achteiner" dann wieder mal gerufen: "Ule, schenk mi man no mul een in" (aber mit dem ironisch-lustigen Zusatz, womit man damals immer wieder auf die trostlose Zeit hinwies) "owwer een mit een 'L├╝tten' dorbi!"

Und hier begann nun der Spa├č. Die beiden Bauern spitzten wohl die Ohren, sie hatten da doch eben etwas von "een L├╝tten dorbi" geh├Ârt, und wir merkten, da├č ihre Ohren immer spitzer wurden, und so kam es, da├č wir nun immer, einer nach dem anderen diesen Zusatz: "Owwer giff mi ok een 'L├╝tten' dorbi" riefen!

Nat├╝rlich gab es damals keinen Korn, ebenso wenig wie ein gutes Bier, nun, es dauerte nicht lange, riefen die beiden unsern guten "Ule" an den Tisch, und wir merkten, da├č sie mit ihm tuschelten und fl├╝sterten.

Ule kem denn an unse Disch, kniff dann mit den Augen sein bekanntes "Ule-Zwinkern" und er fl├╝sterte uns dann zu: "Man L├╝├╝d, war sall ick blots moken, nu w├Ât dee beiden ock, 'een L├╝tte een dorbi' hemm, ick heff seggt, ick geet emm imma glick int Beer rin, weil ich de 'Brammi' je ├Âffentli ne wisen d├Ârf, und dat Beer mit'n Schu├č kost denn fofdi Peen mehr, un de gl├Âwen dat ock na!"

Und so ist es dann geschehen, die beiden waren tats├Ąchlich der Meinung, sie w├╝rden ein Bier mit einem Korn darin kriegen, und so tranken sie denn recht genie├čerisch etliche Gl├Ąser von "dieser Sorte".

Wir 18er konnten das Lachen kaum verbei├čen, na und "Ule" blieb ernst wie ein Pastor.

Ganz vergn├╝glich verabschiedeten sie sich dann, denn so gut waren sie wohl lange nicht mehr bedient worden, und ganz gl├╝cklich sagten sie dann "Tsch├╝├╝ss" zu uns.

"Ule" ging dann schnell an das kleine Erkerfenster, von wo aus man dann in ├Âstlicher Richtung die ganze Gro├čstra├če bis zur Norderstra├če ├╝berblicken konnte, er wollte sehen, wo sie abblieben. Lachend und prustend fragte einer von uns: "Ule, wiss du kiken, wo se affbliwen?" "Nee, nee", seggt Ule, "se w├Ąrn sach vun Simosbarch, denn se weihten de Twiet runner, ick wull blots mol kiken, ob se ack 'wakkeln', denn Einbildung isch ja lles. Ick musse se je blots f├Âr jedes Glas Beer f├Âfdi Penn mehr affnehm, ower dor kop se will ock ├Âwer wech, hoffentli fl├Âch mi keener vun de beiden in dee Grow!"

Oh, wat harrn wi immer f├Ârn Spooss domuls bi "Ule"!

 

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1948

Husum 18

aus dem StadionEcho vom
30. September 2006

 

100 JAHRE FUSSBALL IN HUSUM (TEIL 4)

Aus der Gründerzeit bis hin zur Gegenwart

Über "Unitas" (1906) – "Allemannia" (1910) – "Husum 18" (1918) – Frisia Husum" (1925) zur "Husumer Sportvereinigung" (1994)

aufgeschrieben von Dieter Schladetzky
 

Im Jahr 1948 erzielte Husum 18 einen Zuschauerrekord auf dem Tribünensportplatz am Marienhofweg. 4000 Besucher erlebten einen 7:2-Sieg des Südwest-Oberligavertreters TUS Neuendorf (Koblenz) u. a. mit Nationaltorhüter Karl Adam und Rudi Gutendorf im Lauf. Husum 18 ging durch ein Tor seines unvergesslichen Stürmers Max "Magge" Sönnichsen 1:0 in Führung.

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1948

Husum 18 / Jugend-Fußball

 

 

Schüler von Husum 18 werden Kreismeister

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1948

Husum 18

10. Juni

 

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1948

Sportplatz Marienhof

aus dem StadionEcho vom
24. Februar 2007

 

100 JAHRE FUSSBALL IN HUSUM (TEIL 8)

Aus der Gründerzeit bis hin zur Gegenwart

Über "Unitas" (1906) – "Allemannia" (1910) – "Husum 18" (1918) – Frisia Husum" (1925) zur "Husumer Sportvereinigung" (1994)

aufgeschrieben von Dieter Schladetzky
 

Helle Köpfe!

Als erster schleswig-holsteinischer Verein besaß Holstein Kiel eine Flutlichtanlage. Sie wurde am 16. Oktober 1957 beim Spiel gegen Fortuna Düsseldorf in Betrieb genommen und ermöglichte den Störchen ab 1958 die Teilnahme an der Bundesflutlichtrunde.

Aber bereits 10 Jahre zuvor wurde auf dem Tribünen-Sportplatz von Husum 18 am Marienhofweg unter "Flutlicht" gespielt, was damals einer Sensation gleich kam. Die Stadtwerke Husum hatten an allen Ecken riesige Strahler aufgestellt. Sogar über (!) dem Platz waren Beleuchtungskörper installiert. Es war für mich als 12jährigem Schülerspieler ein beeindruckendes Erlebnis: Die ganze Stadt kaum beleuchtet, aber je weiter wir uns dem Marienhof näherten, desto heller wurde der Himmel. Mit mir pilgerten Hunderte Fußballbegeisterte zum Sportplatz, um "Fußball am Abend" zwischen Husum 18 und Frisia Husum zusehen. Auch führende Vereinsvertreter von Holstein Kiel waren zugegen.

Reichlich eingeschenkt bekamen übrigens die Torhüter bei diesem Ereignis: Das Spiel endete nach 6:0 Halbzeitführung von Frisia noch 9:6 für Husum 18. Es fand noch eine weitere Partie unter Flutlicht gegen Rot-Weiß Niebüll statt. Das Ergebnis ist mir jedoch nicht bekannt.

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1948

Husum 18 / Historisches

aus der Festschrift vom 1. Juni 1968

Rückblick und Erinnerung

Von unserem ehemaligen Pressewart Walter Lorenzen

Es war das Jahr 1948. Wie überall, so nahm auch bei uns das Interesse am Fußballspiel in immer steigendem Maße zu. Zuerst wurde in Straßenmannschaften gespielt mit Stoff- oder Gummibällen und schlechten Schuhen. König Fußball feierte nach dem großen Einbruch, verursacht durch den unglückseligen Krieg, ungeheure Triumphe. Die Ziffern der Mitglieder in den Fußballvereinen stiegen und stiegen. Es waren hauptsächlich Jugendliche, die sich nach und nach aus dem "Verband" ihrer Straßenmannschaften lösten und einem Verein beitreten.

1948 war es also, als ich mein erstes Fußballspiel in einem richtigen Verein machte in Husum. Es war das "große" Lokalderby Husum 18 3. Knaben gegen Frisia 2. Knaben. Dieses und viele der anfänglichen Spiele endeten 0:0. Am Nachmittag waren wir wieder draußen auf dem Marienhofplatz. Dann spielte nämlich unsere Liga. Landesliga selbstverständlich, ist doch ganz klar. Wie wurden sie bewundert, unsere Ligaspieler, wenn sie vor Spielbeginn hinter dem Tor mit dem Ball spielten. Für uns Kleinen waren sie unnahbar, wir schauten mit Bewunderung zu ihnen auf. Spielte unsere Liga auswärts, und es war nicht gar zu weit, fuhren wir mit, dafür gab es damals noch Sonderzüge.

Wir fuhren auch selbst mit zehn Jugendmannschaften nach Heide, wo das Beste, außer dem Spiel, die Erbsensuppe war, die es zu Mittag gab. Was waren wir damals ein Verein! Heutzutage haben viele Bundesligavereine eine Flutlichtanlage, ja, so etwas gab es bei uns schon damals. Und einen Trainer hatten wir, Julius Huber hieß er, der brachte von Zeit zu Zeit einige "Neuentdeckungen" mit. Dann waren abends beim Training fast so viele Zuschauer wie heute bei einem mittelmäßigen Ligaspiel. Wie hießen sie doch alle, die großen Stars, sie kamen und gingen. Einige sind in die Vereinsgeschichte eingegangen, andere verschwanden vorher. Klangvolle Namen tauchen auf, die noch heute, nach vielen Jahren, jeder kennt. Günter Hentzschel, ein Klassemittelläufer, Karl Franke, der lange Halbstürmer, der so langsam wirkte, aber einen Bombenschuß besaß, der Ex-Eimsbütteler Stammverteidiger Fritz Kühne - Herbert Möbius und viele mehr. Man kennt vielleicht auch noch die weniger bekannten Ohldorf, Herbert Kowalski und Hinzmann, der nur einige Minuten spielte, ein Prachttor schoß und dann mit dem Ledermantel des Trainers Julius Huber auf Nimmerwiedersehen verschwand.

1948 spielte Husum 18 gegen TuS Neuendorf in einem Jubiläumsspiel. Es ging zwar 7:2 verloren, aber noch heute spricht man von den zwei Toren, die Max "Magge" Sönnichsen dem Nationaltorwart Karl Adam ins Netz bombte. Damals ging sogar das Gerücht um, die Süddeutschen wollten unseren "Magge" mitnehmen. Aber auch unsere anderen Spieler, die sich in jener Zeit einen Namen machten, sollen nicht unerwähnt bleiben. Wer erinnert sich nicht an Kurt Schmidt - Lothar "Muschi" Muschinski oder Hugo Starken, um nur einige zu nennen, auch der Verstorbene Günther "Didi" Herrmann, als stämmiger Verteidiger, ist in dieser Zeit unauslöschlich mit dem Namen Husum 18 verbunden.

Die Zeit lief weiter und brachte für uns den bitteren Abstieg in die Bezirksklasse, aber nicht nur uns ging es so, auch vielen anderen namhaften Vereinen wie dem damaligen ATSV Flensburg, später VfL 97 und heute Vorwärts. Ein neuer Anfang konnte und mußte nur aus dem Nachwuchs heraus geschaffen werden. Wir alle lesen und hören gerne Geschichten aus den alten Zeiten unseres Vereins. Anstoß zu diesen Betrachtungen gab mir der Gedanke, daß ich all dieses doch nur so unmittelbar und direkt miterlebt habe, weil es mein Verein war, um den es ging. Mein Verein, unser Verein, Husum 18. Dadurch, daß man Mitglied ist, ist man ein Glied einer großen Gemeinschaft. All die unzähligen Erlebnisse, die schönen, gemeinsamen Stunden in dieser Gemeinschaft bleiben und vergessen.

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1948

Husum 18 / Historisches

aus den VereinsNachrichten vom 1. Mai 1980

"Domuls bi Achtein"

"Tine hat uns wachgek├╝├čt"

Hin und wieder bekomme ich als Butenhusumer die "Nordfriesische Palette" zugeschickt, dar├╝ber bin ich immer sehr erfreut, denn so erfahre ich ab und zu doch mal interessante Neuigkeiten aus der Heimat. Im Januar bekam ich so auch Kenntnis von dem sonderbaren Verschwinden von "uns Tine". "Alarm! Tine ist verschwunden." Durch diesen Bericht wurden auch bei mir einige Erinnerungen geweckt. Tine ist ja wohl wieder da, oder wohl besser, immer noch da. Eine kleine Erinnerung m├Âchte ich den 18ern nicht vorenthalten, denn Tine stand damals f├╝r uns einmal sehr im Mittelpunkt, und das war so!

Es war damals im Fr├╝hjahr 1948, die damalige Reservemannschaft von 18 nahm an einem gro├čen Pokal-Sonntag in Rantrum teil, wo sie mit Mannschaften aus Langenhorn, T├Ânning, Friedrichstadt, Hattstedt und Rantrum und noch ein paar Gegnern um die begehrten Pokale k├Ąmpfte, die der TSV Rantrum gestiftet hatte. Es war ein sehr hei├čer Tag, und die K├Ąmpfe der einzelnen Mannschaften, jeder gegen jeden, waren hart und z├Ąh, der Schwei├č flo├č in Str├Âmen.

Die damalige Reserve war recht gut in Schwung, und ich erinnere mich noch an Bernhard Zylonka im Tor, an "Heie" Matthiesen - Leo Wugazza - Johannes Feddersen - Hugo Emm, an Arthur "Adde" Ebsen - Fred Edsen - Broder Nissen - Ferdinand Jensen - Egon Bracker - Helmut Gudat - Helmuth Hu├č. Alle bringe ich nicht mehr unter, die damals mit von der Partie waren, doch wir k├Ąmpften, spielten k├Ąmpften bis zum Abend, man konnte wirklich sagen: Wir k├Ąmpften bis zum Umfallen, wir wollten unbedingt den gro├čen Siegerpokal.

Und wir schafften es auch, ins Endspiel zu kommen (einige, die damals dabei waren, werden sich beim Lesen dieser Zeilen an das f├╝r uns so bittere Endspiel erinnern). Immer wieder schaffte unser Gegner, ich glaube, es war Langenhorn, den Ausgleich. Es gab Verl├Ąngerungen und immer wieder Verl├Ąngerungen, bis es dunkel wurde und man Gegner und Ball bald nicht mehr erkennen konnte. Wir waren ungeschlagen in dieses Endspiel gekommen, unser Gegner dagegen mit sehr viel Gl├╝ck, und er hatte dieses Gl├╝ck bis zum f├╝r uns bitteren Ende - wo man sich entschlie├čen mu├čte, den Sieger durch Losentscheid zu ermitteln.

Ich sehe noch heute das entt├Ąuschte Gesicht von Bernhard Zylonka, der unser Mannschaftsf├╝hrer war, wie er nun nach all diesen K├Ąmpfen sein Los entfaltet hat. Nat├╝rlich "verloren"! So bekamen wir dann "nur" den zweiten Siegerpokal es war auch ein recht sch├Âner Kelch, und er steht wohl heute unter all den vielen sch├Ânen 18er Pokalen.

Doch wenn er erz├Ąhlen k├Ânnte, von jenem Abend nach der Siegerehrung, die dann im Rantrumer Vereinslokal mit anschlie├čendem Tanzabend stattfand. Es spielte die Feuerwehrkapelle, deren musikalisches Repertoire nicht sehr umfangreich schien, denn jedes dritte St├╝ck war ein flotter Foxtrott, den sie daf├╝r aber total beherrschten: "Mich hat der Fr├╝hling wachgek├╝├čt." Sie spielten es immer und immer wieder, doch genauso oft wurde unser Pokal immer wieder neu gef├╝llt. Es war ein herrlicher Abend, der dann auf diese Weise bald zur Nacht wurde.

Unsere "Verheirateten" waren nat├╝rlich schon l├Ąngst daheim, aber die ganz "Unentwegten" hatten den letzten Zug aus Richtung Kiel nat├╝rlich l├Ąngst verpa├čt. "Ach wat, mog emm man nomul vull, over so richdi, wi lopen to Foot na Husum." Un so keem denn dat ock, denn domuls harrn wi keen Sliber as see h├╝t all hebbt, un wi leepen to Foot vun Rantrum no Husum.

Man mu├č sich das mal vorstellen, nachdem wir nun den ganzen Sonntag von morgens bis zum Abend gekickt hatten, nachdem wir dann noch den ganzen Abend feuchtfr├Âhlich das Tanzbein geschwungen hatten, liefen wir dann noch mitten in der Nacht von Rantrum nach Husum. "To Foot". Wat f├╝rn Konditschion? Doch einigen wurde es zwischen Mildstedt und Osterhusum doch to eng um de F├Â├Ât, un se trokken de Scho ut, se harrn Blosen un Queelen an de F├Â├Ât. Wat n'Wunna?

Bei Tine wollten wir uns dann, wie sonst auch ├Âfters, verabschieden. Lohm un m├╝d bi Tine ankom, truden wi unse Oogen nich: ne dat kunn gornich wor sin, in dat Tinebecken w├Âr Water, sch├Ânes klores Water. Bis an die Saugbrausen der Ochsenk├Âpfe sch├Ânes feines Wasser, und "bums seten wi all op dee Rand, de B├╝x opkrempelt bet an dee Kneen un denn wuschen wi uns erstmal so richdi dee m├╝de koputte F├Â├Ât. Junge, Junge, w├Âr dat sch├Ân!

Wann kam das schon mal vor, da├č im Tine-Brunnen Wasser stand? Tine hat auf jeden Fall in jener Nacht so viel Komplimente geh├Ârt wie wohl selten. Denn wir wu├čten es jetzt genau, nicht der Fr├╝hling, nein, Tine hatte uns wachgek├╝├čt! Wenn ich im Urlaub mal vor der Tine steh', mu├č ich schmunzelnd an diesem Pokal-Sonntag denken, jo so w├Âr dat domuls bi Achtein!

Ernst "Jupp" Sch├Ânfeldt
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1948

Husum 18 / Historisches

aus der Festschrift vom 1. Juni 1968

1948 hatten wir über 4.000 Zuschauer

Aus vergangenen Tagen - Als TuS Neuendorf in Husum spielte

Unsere Erinnerungen aus vergangenen Tagen beginnen wir heute mit einem kurzen Rückblick auf den Besuch von TuS Neuendorf im Jahre 1948, jener Mannschaft, die zum Spitzenfeld der Südwest-Oberliga zählt. Lesen wir, was damals unser Presse- und Propagandawart schrieb:

Wir haben mancherlei über den Husumer Fußballsport aus der Zeit zwischen den Kriegen berichtet und dabei feststellen können, daß die Anteilnahme der Bevölkerung früher entschieden größer war. Der Besucherrekord in Marienhof fällt aber in das Jahr 1948, als Ende August TuS Neuendorf (Koblenz) in Husum weilte. Die sympathischen Gäste der Südwest-Oberliga spielten damals vor über 4.000 Zuschauern gegen Husum 18 und gewannen 7:2 (3:1). Die spielerische Unterlegenheit unserer Mannschaft trat aber keineswegs in dem Maße zutage, wie es das Resultat vermuten läßt. Gewiß waren die Gäste in allen Belangen moderner Fußballkunst überlegen, Husum wehrte sich aber tapfer und kämpfte mit großer Hingabe, die über manche technische Mängel hinweghalf. Nach der Pause löste zunächst eine gefahrvolle Lage die andere im Neuendorfer Strafraum ab. Langsam, aber sicher überwand Neuendorf diese Drangperiode und erzielte noch vier weitere Treffer, von denen der erste durch einen Elfmeter zustande kam. Schiedsrichter Burlo (VfB Kiel) hätte nach Lage der Dinge diese Entscheidung vermeiden sollen.

Unter größtem Beifall schoß Max "Magge" Sönnichsen für Husum in der achten Minute den Führungstreffer. Nach dem Stande von 4:1 für die Gäste brachte Walter Dunse bei feiner Leistung in der 63. Minute den zweiten Husumer Erfolg an. Zu diesem fairen und sehr flott geführten Kampf, der bei den Zuschauern nachhaltige Eindrücke hinterlassen hatte, trafen die 18er in folgender Besetzung an:

Hugo Starken

Kurt Schmidt ǀ Günther Herrmann

Felix Nowack ǀ Kurt Klose ǀ Arthur Grabert

Lothar Muschinski ǀ Karl Etteldorf ǀ Walter Dunse ǀ Max Sönnichsen ǀ Wilhelm Michaelsen

Die Gäste aus Koblenz, die zuvor gegen Borussia in Dortmund 1:2 unterlegen waren, äußerten sich sehr lobend über die Aufnahme in Husum. Sie statteten den Halligen einen Besuch ab und weilten anschließend im Nordseebad Westerland.

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1949

Husum 18

aus dem StadionEcho vom
30. September 2006

 

100 JAHRE FUSSBALL IN HUSUM (TEIL 4)

Aus der Gründerzeit bis hin zur Gegenwart

Über "Unitas" (1906) – "Allemannia" (1910) – "Husum 18" (1918) – Frisia Husum" (1925) zur "Husumer Sportvereinigung" (1994)

aufgeschrieben von Dieter Schladetzky
 

Aber der Zuschauerrekord von 1948 (Spiel gegen TuS Neuendorf) sollte noch überboten werden! Im September 1949 kam der Heider SV mit 600 Schlachtenbummlern zum Spitzenspiel in der Landesliga. Vor 5000 Besuchern verlor Husum 18 durch ein Tor des Heiders Reh nicht nur mit 0:1, sondern auch durch Verletzung seinen Mittelläufer Günter Hentzschel. Vom Hockensbüller Krankenhaus holten ihn Vertreter von Viktoria Hamburg in die Oberliga Nord. In der Spielserie 1952/53 taucht der Name Günter Hentzschel als Mittelläufer beim großen HSV in Hamburg auf. Er spielte dort mit Nationalspielern wie Jupp Posipal und Fritz Laband zusammen.

Nach dem Abstieg aus der Landesliga erfolgte ein Neuanfang. Die "Alten" hatten ausgedient und die Jugend musste heran. Und sie tat es!

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1949

Husum 18 / Historisches

aus den VereinsNachrichten vom 1. Februar 1955

Christoph Jensen mit englischer Fußballschule

Er hatte in der Gefangenschaft gelernt

Die alten Jensen's in Rödemis waren ein gemütliches Ehepaar, mit vielen Kindern, Jungs und Deerns. Sie wohnten in einem kleinen Haus gegenüber von Clausens Gasthof, und unter diesem Dach war immer viel Leben. Alle Jungs waren Sportler. Peter, Samuel und Johann (Bredstedt) huldigten dem Boßelsport und waren große Könner, die manche goldene Boßel für Rödemis gewonnen haben. Der erste Weltkrieg forderte bittere Opfer. Peter und Samuel mußten im Anfang des Krieges ihr Leben fürs Vaterland opfern, während Johann bei Mons in Belgien schwer verwundet wurde. Weiter waren dann noch die Söhne Christoph, August und Christian. Sie waren alle auch gute Boßler. Aber inzwischen hatte der Fußballsport überall sehr an Boden gewonnen und alle drei wechselten zu diesem Sport hinüber. Christoph war für Fußball besonders gut veranlagt.

Während der erste Weltkrieg zu Ende ging und die meisten Soldaten per Bahn oder zu Fuß die Heimat erreichten, hatte Christoph Jensen es nicht geschafft. Er kam in Gefangenschaft und mußte auf das englische Eiland. Sicher wäre Christoph gerne schon mit uns nach Deutschland und nach Röms gefahren, aber Schaden hat er von seinem Aufenthalt in England auch nicht gehabt. Es war nämlich so, da├č die Briten ihn fair im Mutterland aufnahmen und fußballerisch schulten. Christoph spielte mit der Mannschaft seines Lagers gegen die anderre Lager und auch gegen die britische Bewachungsmannschaft. Es ist immerhin 36 Jahre her, und damals war der englische Fußball bestimmt noch allein führend auf der Welt. Die Zeit, sie kam - die Zeit, sie ging. Eines Tages, es mag ein Jahr nach Kriegsschluß gewesen sein, da hieß es an einem Sonnabend, Christoph ist aus England gekommen. Das war für die Husumer Fußballer eine freudige Nachricht. Und schon am Sonntagmorgen spielte unser Christoph in einem Wettkampf als Rechtsaußen. Es war die Zeit, als der Fußballverein "Konkordia" eben gegründet war, der aber nur kurze Zeit bestand und in dem der gute Johannes Hansen (Hanne Bodder) als Torwart eine vorzügliche Rolle spielte. Später spielt Hanne Bodder viele Jahre als Torwart in der zweiten Mannschaft von 18, er war einer der treuesten Anhänger.

Das Spiel wurde ausgetragen auf der "Freiheit" bei strahlendem Sonnenschein und vor einem sehr zahlreichen Publikum. Tatsächlich, Christoph hatte englische Schuhe, er nahm jeden Ball an und stürmte dem Tor entgegen, daß es nur so eine Pracht war. Der größte Spaß an diesem unvergeßlichen Sonntagmorgen war aber noch die Fußballsprache. Christoph's erlerntes Englisch, vermischt mit Fußballdeutsch, beherrschte Spieler und Zuschauer. Es wurde nur "schottisch halbhoch" gespielt und dann ging es im Chor "lat comming", "stopping", "allright", "back", "giving", "knalling" und "goal".

So fielen Tor auf Tor. Es war ein Spiel, das alle, die es erlebt haben, nie vergessen werden.

Hermann Lex
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1949

Husum 18 / Historisches

aus der Festschrift vom 1. Juni 1968

Lied der 18er

Wer so ab und zu unsere Fußballmannschaften auf ihren Reisen begleitet, der wird feststellen, daß es um das Singen von Sportliedern recht schlecht bestellt ist. Die meisten Lieder, ihre Texte und Melodien sind wenigen bekannt. Im August 1952 hatten wir in unseren Vereinsnachrichten auf das 18er Lied hingewiesen. Dieses Lied, dessen Text Ludwig Thoms verfasste, ist von dem Husumer Komponisten Arthur Mordhorst im April 1949 vertont worden.

Lied der 18er
Vom Fußballsport stimmt an das Lied,

von Sportlers edlem Geist durchglüht.

Auf's grüne Feld zieh'n wir hinaus
und bringen manchen Sieg nach Haus.
  Hipp-hipp-hurra! so rufen wir.
  Wir halten hoch das Sportpanier.
  Und treten wir für 18 an,
  dann stehen wir zusammen Mann für Mann.
Wir sind die Elf vom HFV,
im Wettstreit weder weich noch rauh.
Im ganzen Land sind wir bekannt,
als 18er mit Stolz genannt.
... Hipp-hipp-hurra! so rufen wir...
Wir lieben unser Fußballspiel,
der Sieg ist unser höchstes Ziel.
Und starten wir zum Angriffslauf,
Dann geh'n wir wie die Teufel drauf!
... Hipp-hipp-hurra! so rufen wir...
Wir wollen stets verbunden sein
mit unser'm alten Sportverein.
Sein Name klinge fort und fort,
zu Ehr und Preis dem Fußballsport!
... Hipp-hipp-hurra! so rufen wir...
Kurt Klawitter
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1949

Husum 18 / Historisches

aus der Festschrift vom 1. Juni 1968

Husum 18 Landesligamannschaft 1949

Husum 18 Landesligamannschaft 1949

Trainer Julius Huber - August "Aue" Carstens - Walter Dunse - Arthur Grabert - Kurt Schmidt - Erwin Panten - Lothar "Muschi" Muschinski - Max "Magge" Nehlsen - "Mieze" Stapelfeldt - Heinz "Micha" Philipp - Kurt Klose - Herbert Möbius - Günter Hentzschel - Matthias Schmidt - Max "Magge" Sönnichsen - Karl Etteldorf - Spielausschußvorsitzender Hermann Bahnsen

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1949ff

Husum 18 / Historisches

Aus den Vereinsnachrichten vom 1. August 1979

Domuls bis Achtein

von Jupp Schönfeld

Da Dr. Karl Pilz oben wohnte, mußte ich immer über diese Biester rüber steigen, und ich wußte ja nie, was hinter ihrer krausen Stirn vor sich ging, wenn sie mich so beim Rübersteigen gelangweilt anblinzelten. Karl wußte von meinen "Hemmungen", meistens pfiff ich ihn vorsichtshalber ans Fenster. Einmal rief er dann runter (man muß sich dabei seinen Kölner Dialekt denken): "Kannst ruhig raufkommen, Jupp, ich habe den beiden gestern Abend die Zähne gezogen, die können nur noch 'lutschen'." Ja, so war unser Karl. Johannes "Hanne" Wulff und ich haben ihn später, 1951, noch mal im Rheinland besucht. Karl soll auch längst verstorben sein, er ist mir unvergessen.

Doch zurück zum Fußball. Es kam in diesen 40er Jahren Spielertrainer Herbert Möbius, mit ihm zusammen habe ich mal in einem Schobüller Zeltlager (das Hans "Hansi" Schöning organisiert hatte) ein paar Tage Jugendspieler betreut und ihn dabei als famosen Menschen kennen- und schätzengelernt. Er war auch ein Spieler, der nur so vor Ehrgeiz sprühte. Ich war sehr enttäuscht, als Herbert Möbius wieder ging, aber er ging wohl, weil der andere kam. Der andere hieß Julius Huber, und hier beginnt nun mein letzter Abschnitt, den ich nicht so gern schreibe, doch vielleicht denken viele ├ältere (die damals die Zusammenhänge meines "Abtrünnigwerdens nicht so richtig verstanden haben) am Schluß dann anders als jener (es war sogar noch ein Verwandter von mir), der mir mal später in einem Urlaub vorhielt, ich wäre nur vom Verein gegangen, weil ich nicht in der ersten Mannschaft spielen konnte. Hier ist nun meine Antwort, und ich bin froh, daß ich mir das von der Leber schreiben kann. Ich konnte nie ein Spieler der ersten Mannschaft werden, weil ich gar nicht das spielerische Zeug dazu hatte. Aber ich durfte mich auch so als guten 18er bezeichnen.

Julius "Huber-Alleinig" kam, 18 hatte eine gute erste und, wie beschrieben, eine gute 1b und Reservemannschaft und feine Jungmannen-Mannschaften unter der Leitung von dem Oldtimer Felix Nowack. Es kamen feine Spieler wie Matthias Schmidt, Stelzner, Ohldorf, Herbert Kowalski; es kamen Karl Franke und Paul "Paule" Anders. Karl Franke z.B. fühlte sich in 1b-Mitten immer sehr wohl. Einmal fuhr er, wie auch "Buba" Schmidt, mit uns zu einer feuchtfröhlichen Himmelfahrtsparie, obwohl beide nachmittags in der ersten ein Freundschaftsspiel machen mußten. Die 1b konnte die beiden nicht abhalten, Trainer und Spielausschuß waren natürlich "sauer". So kam es leider oft zu Unstimmigkeiten zwischen Trainer und Spielausschuß auf der einen und 1b-Mannschaft auf der anderen Seite. Die 1b hatte eine gewisse Anziehungskraft in punkto Kameradschaft und Einheitlichkeit; wir verstanden es damals einfach nicht, daß immer wieder einer aus unseren Reihen in der Ersten spielen mußte, und das war ein großer Fehler.

In diesem Zustand holte dann "Alleinig" einen Hinzmann nach Husum. Ich habe Julius Huber dann unmißverständlich gesagt, was ich von seiner Methode hielt, daß die Husumer Jungs immer wieder vor den Kopf hin- und hergestoßen würden. Weitere Einzelheiten will ich dazu lieber verschweigen. Es führte dann aber leider dazu, daß ich meinen Verein Husum 18 verlassen "mußte". Ich ging dann 1950 zum TSV Rantrum, um weiter Fußball spielen zu können, und spielte noch ein gutes Jahr zusammen mit meinem alten 18er Freund Günther "Didi" Herrmann, der aus ähnlichen Gründen sein Verein verließ. Rantrum ist dann seit damals ganz schön in Schwung gekommen, vielleicht hatten auch wir einen kleinen Anteil daran.

Doch montagsmorgens war stets der erste Blick in die Zeitung: "Wie hätt Achtein speelt?" Das Herz blieb bei 18. Dieser Hinzmann hat dann nach ein paar Toren bei Nacht und Nebel dem Verein wieder den Rücken gekehrt, nicht ohne dann noch den schönen Ledermantel des Trainers Julius Huber mitgehen zu lassen. Mich hat das insofern gefreut, als daß spätestens dann über meine Worte zu Julius Huber und von ein paar anderen nachgedacht worden ist. Doch ich hätte meinen Verein nicht so ohne weiteres verlassen sollen.

1951 ging ich dann wegen der Arbeit nach Düsseldorf und spielte hier einige Monate bei Heiligenhaus 09, um dann anschließend 1952 nach Plochingen am Neckar überzusiedeln, wo ich gute Arbeit fand und wo ich dann noch einige Zeit mit den Husumern Siegfried "Siggi" Panten, Arthur "Adde" Brauer und Karl-Heinz "Kolle" Niemann beim FV 1911 Plochingen spielte. Meine Landsleute gingen wieder, ich bin dem FV bis heute treu geblieben, wo ich später noch ein paar Jahre Jugendspieler trainierte (dabei viel an Werner Rusbült dachte). In der Betriebsmannschaft meiner Firma, einer großen Elektrizitätsversorgungs AG, wo ich kürzlich mein 25-jähriges Arbeitsjubiläum feiern konnte, spielte ich dann noch bis zu meinem 45. Lebensjahr und machte hier nochmal über 300 Spiele mit, doch dann machten die Kniee, die man in all den Jahren ganz schön ramponiert hatte, nicht mehr mit.

Fußball war auch mein Leben! Im Sommer liege ich oft in meinem schönen Garten am Neckar, worauf ein kleines "Husum-Hus" - mit Fischernetzen, Muscheln und Krebsen dekoriert - steht und an dem ein Rettungsring mit der Aufschrift "Husum / Nordsee" hängt. Ein Boot liegt dort neben einem selbst erbauten Leuchtturm. Am Flaggenmast knattert die blau-weiß-rote Flagge, und ich hänge meinen Erinnerungen nach ... "Wat wär dat för een feine Tied, domuls bi Achtein!"

Euer Jupp Schönfeld

 

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zuletzt aktualisiert am: Samstag, 19.01.2019 14:09hr color="#015397" />

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